Kleiner Konferenzraum
1 | 2 | » | Letzte
[ Nach unten | Zum letzten Beitrag | Thema abonnieren | Neueste Beiträge zuerst ]
Kleiner Konferenzraum
von Roger am 16.11.2017 19:27GEBURTSDATUM
01.06.1978
TRIKOTNUMMER
21
TREFFERQUOTE
78.8%
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT
263km/h
GESPIELTE LIGASPIELE
22
GEWONNENE LIGASPIELE
16
Früher Jäger und Kapitän der Hausmannschaft von Ravenclaw, heute Jäger und seit 2000 auch Kapitän der Tutshill Tornados. Roger Davies' größte Stärken als Spieler liegen in seinem flinken, zielgenauen Passspiel und der intensiven, sowie vertrauten Zusammenarbeit im Jäger-Trio. Auch seine Strategie als Mannschaftskapitän beruht auf dem eingespielten Miteinander seines Teams und der Schnelligkeit, in der die hart antrainierten Manöver durchgeführt werden. Diese hohen Passgeschwindigkeiten bergen zwar ein großes Risiko, halten den Gegner aber auch dauerhaft in Atem, was die ausdauerstarken Tornados zu einem gefährlichen Konkurrenten im Kampf um den Quidditchpokal macht. Davies' bislang größte Leistung bestand darin, die Tornados bereits in seiner ersten Saison als Kapitän zum Sieg in der britisch-irischen Quidditch-Liga zu führen.


Re: Kleiner Konferenzraum
von Azra am 16.11.2017 19:47Ich betrat den Konferenzraum auf die Aufforderung der Empfangsdame hin, welche mich gebeten hatte, "zum Ende des Ganges, dann links die Treppe rauf, dann rechts und die andere Treppe runter und dann durch den Gang bis zum Ende zur ersten Tür rechts" zu gehen. Ja, ich hatte eine Weile gebraucht, bis ich besagte Tür gefunden hatte, doch ich hatte auf dem Weg einige Interessante Leute kennen gelernt (zum Beispiel einige Zauberer die gerade dabei waren, irgendeinen matschigen, braunen Haufen mit kleinen Löffeln in noch kleinere Behälter zu befördern und dabei auf hochwissenschaftlichem Fachchinesisch miteinander zu reden...), eine zehnminütige Pause eingelegt (ich hätte nie gedacht, dass "die Treppe" ein Monstrum aus gefühlten dreihundert Stufen sein würde...ich glaube eigentlich waren es maximal 20 oder so, aber damn ich hasse Treppen!), einmal all unsere Quidditch-Taktiken rekapituliert (na gut, meine Taktik bestand im Grunde aus: "KLOPP DRAUF!" "ICH KLOPP JA SCHON!" "FESTER, AZRA, FESTER!" "ICH HATTE GEHOFFT, DAS ERST NACHHER VON DIR ZU HÖREN" *zwinker zwinker*... ...ähm...das geht zu weit...) und einige Kilos zugenommen (ich hab unterwegs nen Snackwagen mit Donuts und sonem Kram gesehen! Klar, ich muss gucken was ich esse wegen Sport und so...aber Schokolade! Die hatten SCHOKOLADE! HALLOOO!?). Alles in allem war dieser Trip zu der gehemnisvollen Tür also eines der größten Abenteuer meines Lebens, weshalb ich dementsprechend gespannt gewesen war, was nun hinter der Tür wartete und umso enttäuschter darüber, was es tatsächlich war. Na gut, vielleicht hätte ich erwarten können, dass es ein Konferenzraum war, weil Lexi hatte ja angekündigt, dass wir uns in...einem Konferenzraum treffen würden, also...egal, mein breites Grinsen verblasste also kaum merklich, als ich den eher mehr oder weniger uninteressanten Raum musterte. Räume mit Tischen und Stühlen waren eigentlich langweilig, da konnten die Tische und Stühle noch so interessant, gläsern, bunt, unbunt, nass, ekelhaft, dunkel, verranzt, glänzend, golden, schimmelig, was auch immer sein es würde immer uninteressant bleiben. Doch halt, was sahen meine gut geübten (*hust*) Treiberaugen da? Ein Sofa, augenscheinlich die perfekte Größe und Konsistenz zum bequem, nein, überaus komfortabel drauf sitzen. Ich machte einige wenige (vielleicht auch ein paar mehr) Schritte auf das Sofa zu und warf mich darauf, mit einem zufriedenen Seufzen. Von den ganzen vielen Treppen und dem Essen war mir etwas flau und ich bereute allmählich, dass ich mich erneut von der Schokolade hatte hinreißen lassen, aber es war es andererseits auch wert gewesen. Sowas von. Bequem lehnte ich mich zurück, schlug elegant die Beine übereinander (naja, so elegant wie ich halt sein konnte...) und wartete darauf, dass Lexi zu unserem verabredeten Treffen eintraf. Ich wusste schon, dass es um den Artikel ging, und schon als ich ihn gelesen hatte, hatte ich mich am liebsten bei irgendwem darüber auskotzen wollen...sofort wurde ich wieder sauer, nur bei dem Gedanken an diesen Schwachsinn...Mein Gott, dieser Drake hatte doch echt, ehrlich Probleme und extreme Minderwertigkeitskomplexe, wenn er es nötig hatte, unseren Roger aka. Quidditchstar so in den Dreck zu ziehen...absolut unmöglich...

Lexi
Gelöschter Benutzer
Re: Kleiner Konferenzraum
von Lexi am 19.11.2017 01:30Entgegen der Meinungen meiner Schwester CeCe und einiger ehemaliger Schulkameraden nahm ich meinen Job wirklich ernst. Sehr ernst. Deshalb brütete ich auch gerade über meinen Notizen zum Davies-Artikel und bereitete mich auf das Gespräch mit Azra vor, das ich kurzfristig organisieren konnte. Bei der letzten Besprechung hatte mein Boss mir aufgetragen (worauf ich doch ziemlich stolz war), den Ruf des Propheten wieder geradezurücken und eine Gegendarstellung zu Drakes Kommentar bezüglich Roger Davies und seiner Unfähigkeit, die Tornados zu führen, zu schreiben. Auf diese glorreiche Idee war er gekommen, weil noch am selben Tag, an die Ausgabe mit dem betreffenden Kommentar veröffentlicht wurde, zahlreiche Beschwerdebriefe auf die Redaktion einhagelten und wütende Fanmobs sich vor dem Redaktionsgebäude in der Winkelgasse versammelt hatten. Inzwischen hatte sich die Lage einigermaßen beruhigt, aber der Chefredakteur des Propheten wollte dennoch klarstellen, dass Drake nicht für die ganze Redaktion gesprochen hatte, um die Wut der Fans von der Zeitung auf den einzelnen Journalisten zu verlagern. Mitleid mit Raphael empfand ich nicht, dazu war ich zu abgestumpft. Warum war der Idiot auch so blöd und legte sich mit einem gefeierten Quidditchhelden an? Ist doch kein Wunder, dass einem die Tornado-Fans dann die Bude einrennen. Man musste sich Leute suchen, die weniger Rückhalt hatten. Leute, die eh schon mit dem halben Bein im Aus standen. Denen musste man nur noch ein leichten Schubs geben und schon... Aber selbst, wenn die Vorwürfe der Wahrheit entsprachen, was ja hier noch nicht einmal der Fall war, dann sollte man bei einem Celebrity mit einer so großen Fangemeinde zurückhalten. Das konnte nur böse enden.
Jedenfalls hatte ich mir meine persönlichen Kontakte zunutze gemacht und Azra, eine gute Freundin und eine von Rogers Teamkolleginnen bei den Tornados, herbeordert, um mir ein Statement zu der ganzen Sache abzuholen. Ich wusste, dass sie sich gut mit ihm verstand und ihn sicherlich in Schutz nehmen würde. Ganz abgesehen davon, dass sie bei ihrem Temperament vermutlich wüste Beschimpfungen in Richtung Drake ausstoßen würde... Aber wie gesagt, der interessierte mich herzlich wenig. Das Winken der Empfangsdame holte mich aus meiner Gedankenwelt. Azra schien bereits eingetroffen zu sein. Ein Blick auf meine Uhr bestätigte mir, dass ich langsam meinen hübschen Hintern hinüber ins Konferenzzimmer bewegen sollte. Ich raffte meine Notizen zusammen, schnappte mir meine Feder und erhob mich von meinem Arbeitsplatz. Gabriel, der nur ein paar Plätze entfernt von mir saß, hob den Blick. Ich nickte zum Gruß und grinste zufrieden, als ich seinen missgünstigen Blick in meinem Rücken spürte, während ich in Richtung Azra stöckelte. Ein sachter Schwung mit dem Zauberstab sorgte dafür, dass die Tür sich für mich öffnete, da ich zu bepackt war, um sie selbst zu öffnen, und sich hinter mir wieder verschloss. Der Raum war schalldicht; um unerwünschte Zuhörer musste ich mir also keine Sorgen mehr machen. Ich lächelte Azra zu, die es sich bereits auf der Couch bequem gemacht hatte und schritt auf sie zu. "Hallo Azra. Freut mich, dass Du trotz Trainingsphase die Zeit finden konntest, hier vorbeizuschauen und Dich mit mir zu treffen. Möchtest Du gerne etwas trinken?" Ich sprach etwas höflicher, als es in unseren sonstigen Gesprächen der Fall war. Schließlich sollte sie sich bewusst sein, dass jedes Wort den Weg an die Öffentlichkeit finden konnte. Dass ich ihr diese Ehrlichkeit zugestand, sagte eine Menge über unsere persönliche Beziehung aus, denn Menschen, die mir nichts bedeuteten, ließ ich im Normalfall eiskalt ins offene Messer laufen. Während ich sprach, hatte ich neben ihr auf dem Sofa Platz genommen und mit einem weiteren Schwung meines Zauberstabes einen Beistelltisch heraufbeschworen, auf dem ich nun meine Notizen ablegte. Nur eine leere Pergamentrolle und meine Feder behielt ich auf dem Schoß.
Re: Kleiner Konferenzraum
von Azra am 19.11.2017 13:42Als ich gemerkt hatte, dass die Tür aufschwang, hatte ich eilig meine ziemlich fetten und ziemlich dreckigen Stiefel von dem Leder der Couch gezogen, mich etwas aufrechter und gerade hingesetzt, bevor ich mit der Hand leicht die Erdkrümel von der Oberfläche wischte. Normalerweise trug ich diese Stiefel nur, wenn ich mit meinem Dad wandern ging oder im Garten was arbeitete, weshalb ich recht froh war, dass sie heute nicht nass und dreckig waren, sondern nur dreckig, denn sonst hätte Lexi vermutlich im nächsten Moment eines ihrer oft wirklich sehr tollen Outfits ruiniert, weil sie sich in einen Haufen Matsch von meinen Schuhen gesetzt hätte. Na gut, vielleicht trug ich die Schuhe auch nicht nur, wenn ich was spezielles mit meinem Dad machte, sondern auch auf dem Quidditchfeld, wenn ich spazieren ging, wenn ich ausging und...naja, eigentlich fast immer, es waren immerhin meine Lieblingsschuhe! In diesem Moment fragte ich mich, wieso ich über Schuhe nachdachte, und im nächsten Moment sah ich auf, da Lexi inzwischen den Raum betreten hatte und mich anlächelte, um das Lächeln auf meine sehr strahlende und gleichzeitig irgendwie immer doppeldeutige Weise zu erwidern. „Für dich doch immer, Schatzi", witzelte ich dann grinsend und mit deutlichem Sarkasmus und zwinkerte mit einem Spitzen der Lippen, als würde ich ihr über die Luft einen Kuss zuwerfen. Ich merkte, dass sie sachlicher war, als sonst, doch das hielt mich nicht davon ab, so zu sein wie ich halt immer war. Immerhin musste das Interview ja auch authentisch sein und wenn ich dann dasaß, mit den Armen angewinkelt wie bei diesen komischen Muggel-Modern-Dance-Feten, die ich mir manchmal ansah (nein, ich weiß auch nicht, wieso ich das tue!) und in einer monotonen Roboterweise ohne Slang oder Eigenarten einen Text runterleierte, den Lexi mir vor die Nase hielt, damit alles zugunsten von Roger ausfiel, dann war es das definitiv nicht. Nein, denn damit Rogers Ruf wiederhergestellt werden konnte, musste ich mich nicht verstellen, dieser Artikel hatte mich derart sauer gemacht und ich hatte definitiv nicht gewollt, dass Roger jemals so in den Dreck gezogen wird! Und jeder der das versuchen wollte, würde es mit mir zu tun bekommen!
Mal am Rande, es ist tatsächlich richtig lustig, zu beobachten, wie die Leute sich über „Hooligans" unter der Quidditch-Fangemeinde aufregten, wobei allerdings die größten Hooligans die Teammitglieder selbst waren, die einfach sehr...sagen wir enthusiastisch waren? Also genau sowas wie ich. Aber einfach die Ironie dahinter, dass die Fans, die keine Hooligans waren, aber ebenfalls wirklich hinter den Teammitglieder standen, die „Hooliganfans" so sehr haten und ihnen dabei gar nicht klar zu sein schien, dass einige der großen Vorbilder, die sie so anhimmelten, womöglich selbst die größten Hooligans waren. Oder traf das jetzt nur auf mich zu und ich pauschalisierte gerade die Tatsache, dass ich selbst manchmal etwas überreagierte, um mich besser zu fühlen? Hmnee...
Jedenfalls hatte ich absolut beschlossen, nur das Beste über Roger zu sagen (wobei mir auch nebenbei bemerkt spontan gar nichts anderes einfiel) und danach diesem Autor ordentlich ein paar aufs Maul zu geben, mithilfe meiner zahlreichen nicht vorhandenen Cousins und meinen Molotov-Cocktails und...Moment, das driftete zu sehr in ein eher unschönes und klischeebelastetes Bild ab, welches vor allem in der Muggelwelt vertreten war und ich beschloss, diese Gedankengänge zu verdrängen.
„Oh, was zu trinken wäre super!", fügte ich dann noch hinzu, als sie sich gesetzt hatte und drehte mich in meiner Sitzposition leicht etwas zu ihr, um sie zum einen besser ansehen zu können und dazu etwas zugewandter und offener zu wirken. Ich mochte es nicht, wenn man von seinem Gesprächspartner so abgewandt saß oder ihm nur das Profil zeigte, das kam mir immer merkwürdig vor und ich selbst wollte ja auch nicht beim Sprechen immer nur mit Wangenknochen und Schultern reden, das war mir einfach zu blöd, so hübsch oder attraktiv oder ansprechend die Schultern oder Wangenknochen der anderen Person auch waren...Um meine Sitzposition in ihrer Bequemheit (ist das ein Wort?) zu optimieren, schlug ich das eine Bein schwungvoll über das andere und legte meine Hände auf dem Knie ab, darauf bedacht, Lexi weder Dreckkrümel von besagten Schuhen entgegenzuschleudern, noch irgendetwas mit meinen Schuhen umzuwerfen oder kaputtzumachen oder zu behindern. Immerhin war ich nicht tollpatschig, nur manchmal etwas unvorsichtig, doch wenn ich mir Mühe gab, ging das schon.

Lexi
Gelöschter Benutzer
Re: Kleiner Konferenzraum
von Lexi am 29.11.2017 18:07Azra, die es sich trotz des anstehenden Interviews nicht nehmen ließ, so zu sein, wie sie es immer war, so ... Azra eben, warf mich direkt wieder aus der ernsten und beherrschten Rolle, die ich häufig für offizielle Interviews einnahm. Also für solche, die ich nicht ohne das Mitwissen des Interviewpartners führte. Meine Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen. "Was eine Ehre", bemerkte ich in einem ebenso sarkastischen, schwärmerischen Tonfall. Tatsächlich hatte ich mir bisher nicht allzu viele Gedanken zum Interview gemacht, da ich in kürzester Zeit eine Menge Treffen und Gespräche zu organisieren hatte. Schließlich wollte mein Boss die ganze Sache möglichst zeitnah ins Reine bringen. Ich hatte gehofft, einfach improvisieren zu können. Gerade bei Zauberern, die so eine herausstechende Persönlichkeit wie Azra hatten, war es wichtig, Authentizität zu waren. Sonst kaufte einem niemand den Artikel ab. Wenn der Durchschnittsleser morgens am Frühstückstisch beim Zeitunglesen den Kopf schüttelte und sagte "Ach, die Van Dael wieder", hatte ich meinen Job gut gemacht. Und natürlich, wenn er danach weder sauer auf den Propheten noch auf Roger Davies war.
Ohne aufzusehen, weil ich noch mit meinen Notizen beschäftigt war, winkte ich dem Tablett, das auf der Theke stand und das sich daraufhin erhob, um vor Azras Nase hin- und herzuschweben. Darauf standen eine Kaffee- sowie eine Teekanne und zwei leere Tassen. "Nimm Dir", fügte ich überflüssigerweise hinzu, schlug meine Beine übereinander und drehte ihr meinen Oberkörper zu. Dann hob ich den Blick, während meine Feder erwartungsvoll kleine Kringel auf das Pergament malte. "Also", begann ich, nachdem ich mir einen Schluck Kaffee aus der Tasse genehmigt hatte, die sich auf meinen Befehl hin selbst eingegossen hatte, "Du hast den Artikel über Roger gelesen, den Raphael Drake kürzlich veröffentlicht hat?" Die Tasse stellte ich neben meinen Notizen auf dem Beistelltisch ab. Tatsächlich war mir eingeschärft worden, den Propheten selbst aus dem Spiel zu lassen und ihn nicht häufiger als unbedingt nötig zu erwähnen, um die aufgebrachten Fans von uns abzubringen. Und die Wünsche der Chefetage beherzigte ich natürlich. Meine Feder hatte unterdessen begonnen, jedes gesprochene Wort fein säuberlich zu notieren. Sie schrieb zwar selbst, aber wirklich nur das, was auch gesprochen wurde. Ich hielt nicht viel von Flotte-Schreibe-Federn, auch, wenn die bei einigen Kollegen in der Branche sehr beliebt waren. Meine Artikel schrieb ich selbst; jedes einzelne Wort sollte auf mich zurückzuführen sein. Das gebot mir allein schon mein Stolz.
Re: Kleiner Konferenzraum
von Azra am 01.12.2017 15:08Ich grinste breit, als ich merkte, wie sie sich entspannte. Das war doch die Lexi, die ich kannte! Perfekt, dann konnte das Interview losgehen. Ich fand, dass Lexi dieser Stil von einer beschäftiggten Journalistin zwar total gut stand, aber ich wollte nicht, dass sie sich anders verhielt, als sonst wenn wir uns trafen, das erschien mir blöd zu sein, und zum Glück wusste ich, wie ich sie zumindest ein bisschen aus ihrer Höhle herauslocken konnte, um mich selbst auch nicht wie in einem Verhör zu fühlen. Als sie das Getränketablett zu uns hinüberwinkte, leuchteten meine Augen für einen kurzen Moment ziemlich begeistert auf. "Uh, Kaffe!", ließ ich dann hören und nahm die Kanne in die Hand, um mir einzugießen, nachdem Lexi fertig war. Ich war zu faul, um meinen eigenen Zauberstab aus meiner Tasche zu ziehen und es ebenfalls wie sie fertigzubringen, mir Kaffe einzufüllen. Da machte ich es lieber auf die Old-School-Art und verzichtete auf Magie, auch wenn die Kanne etwas dagegen protestierte, am Henkel gegriffen zu werden. Wow, wie sie sich wohl fühlen musste...immerhin wurde ihr sicher durch einen Zauberspruch genug Leben eingeflößt, um es ziemlich doof zu finden, von meinen Treiberhänden hochgenommen und rumbewegt zu werden. Aber sich zu wehren hatte keinen Zweck, Azra Van Dael würde jetzt einen selbst eingegossenen Kaffee trinken...bevor ich dies noch verlernte...
Nachdem ich es also geschafft hatte, mir die Flüssigkeit in eine Tasse zu gießen und einmal daran genippt hatte, konzentrierte ich mich zunächst voll auf das Interview. Auf Lexis erste Frage hin hob ich kaum merklich die Augenbrauen und schnaubte leicht. "Gelesen? Das hast du aber schön gesagt, du bist noch viel zu freundlich...ich würde eher sagen, ich habe durch die Worte, die in diesem Artikel stehen einige wirklich üble Flüche beschworen und sie Drake auf den Hals gehetzt, damit der sehen kann, wo er bleibt", erklärte ich mit einem verächtlichen Tonfall in meiner Stimme, aber keinesfalls aggressiv oder aufgebracht klingend, sondern eher spöttisch. Die Worte aus dem Artikel schwebten noch immer in meinem Kopf herum und für jedes einzelne von ihnen würde ich dem Autor am liebsten einen herzallerliebsten Schlag ins Gesicht verpassen. Mein Blick huschte für einen Moment zu der Feder, die neben Lexi alles mitschrieb. Ich wusste, dass Lexi nichts dramatisierte, was gesagt wurde und dafür war ich dankbar. Sie legte Dinge dar, wie sie waren. Nicht wie dieser Betrüger von einem Autor...um also noch ein wenig deutlicher auszudrücken, was ich mit meinen Worten ausdrücken wollte, fügte ich noch hinzu: "Als ich den Artikel gesehen habe, konnte ich erst mal gar nicht glauben, dass das überhaupt in die Zeitungen gekommen war, geschweige denn dass es ernst gemeint war! Ich hab gedacht, dass das ein Witz war, einfach weil es der größte Blödsinn ist, den ich in meinem Leben gelesen habe, und ich habe nicht wenig gelesen, darunter einige Klitterer Artikel und Schulbücher. Also Respekt an Drake. Er hat es geschafft, eine ganze Fangemeinde und vor allem mich auf sich zu hetzen."

Lexi
Gelöschter Benutzer
Re: Kleiner Konferenzraum
von Lexi am 10.12.2017 23:09(Das war ich Dir noch schuldig.
)
Azras Begeisterung über die Tasse Kaffee brachte mich zum Schmunzeln. Offenbar war sie eben so kaffeeverrückt wie ich. Während ich mir tagsüber bloß ab und zu ein Tässchen des Genusses wegen gönnte, war ich morgens darauf angewiesen. Wer mich vor dem ersten Kaffee ansprach, besaß entweder ein verdammt dickes Fell oder war lebensmüde. Ich konnte eine echte Furie werden, wenn man mich nervte, bevor ich richtig wach war... Deshalb kannte ich inzwischen alle Cafes der näheren Umgebung und wusste, wo man den besten Kaffee herbekam. Ich meine, der TP-Kaffee war okay, aber nichts gegen den Espresso Macchiato aus dem Laden, wo früher das Eiscafe von Florean Fortescue... Ich bemerkte, dass ich gedanklich ein wenig abgeschweift war und holte meine Gedanken wieder in die Gegenwart zurück.
Azras Worte wurden vom leisen Kratzen meiner Feder auf dem Pergament begleitet. Dieses Geräusch nahm ich inzwischen kaum noch bewusst war, aber es beruhigte mich intuitiv und unterstützte meine Konzentration. Ein flüchtiges Lächeln huschte über meine Lippen, hervorgerufen von Azras Wortwahl. "Liegt in meiner Natur", kommentierte ich trocken, richtete diesen ironisch gemeinten Kommentar aber nicht an meine Interviewpartnerin, sondern an meine gute Freundin Azra. Meine Feder wieß ich an, diesen Satz aus dem Protokoll zu streichen, was sie auch sofort erledigte. Dann schwieg ich und ließ Azra ihre Antwort beenden. Mit einem kurzen Blick kontrollierte ich die Notizen meiner Feder, dann nickte ich und schaute Azra interessiert an. "Also steckt hinter Drakes Worten kein Funken Wahrheit?" Ich zweifelte damit keineswegs ihre Glaubwürdigkeit an, sondern gab ihr nur die Gelegenheit, mir eine Gegendarstellung der Teamsituation bei den Tornados zu liefern. Ich hatte mich kurz mit der Mannschaftsaufstellung beschäftigt, in der Vorbereitung auf diesen Artikel. Davies war mir bereits ein Begriff gewesen, ebenso natürlich Azra, der Rest der Mannschaft sowie ihre detaillierte Historie waren mir weitestgehend fremd gewesen.
Re: Kleiner Konferenzraum
von Azra am 27.12.2017 22:46Als sie auf meine Aussage sagte, dass Freundlichkeit in ihrer Natur liege, konnte ich mir ein schelmisches Grinsen und ein Zwinkern, sowie eine kleine Geste mit den Lippen, als würde ich ihr über die Luft einen Kuss zuwerfen, nicht verkneifen. Wir beide wussten, wie sehr diese Aussage nicht stimmte, was allerdings auch nichts schlimmes war. Ganz im gegenteil, das war womöglich genau das, was ich so sehr an Lexi mochte und was sie von meinen anderen Freunden deutlich abhob, dass sie kein Gutmensch war, ganz im gegenteil. Okay, vermutlich kam auch noch der Fakt hinzu, dass sie mich wirklich zu verstehen schien und ziemlich gut einschätzen konnte, wann ich etwas ernst meinte und wann nicht. Sie war einfach eine gute Person. Wow, das war wohl eines der freundlichsten und ehrlichsten Komplimente, die ich je gedacht hatte. Als sie dann nochmal nachfragte und direkt Drakes Glaubwürdigkeit ansprach, nutzte ich die Zeit, um an meinem noch recht heißen Kaffee zu nippen und das Gesicht zu verziehen, weil er eben doch noch ein bisschen zu "recht heiß" war, weshalb ich den nächsten Satz mit einem kleinen Husten begann, das ich schnell zu unterdrücken vermochte. "Roger Davies ist kein Engel, das ist keiner von uns, aber er ist auch definitiv nicht das, was Drake ihn in seinem Artikel vorwirft. Mal ehrlich, wer glaubt das denn? Und vor allem wer glaubt irgendeinem Journalisten, der zu seiner Belustigung einen Skandal in die Zeitungen bringt...nein, warte, das ist nicht zu seiner Belustigung. Wer sowas schreibt, will Leute einfach nur niedermachen und das, was Drake über Roger schreibt ist nicht nur unnötig, sondern auch nicht wahr! Wenn einer die Stressquelle beim Training ist, dann bin ich das, und das wird ihnen jeder einzelne Spieler der Tutshill Tornados persönlich sagen können. Jeder der Roger Davies als Stressquelle oder als arrogant oder als manipulativ bezeichnet, sollte definitiv mal seine Psyche im St. Mungo testen lassen, denn das wirkt halt schon so ziemlich so, als wäre er nach der Geburt dreimal hochgeworfen, aber nur zweimal aufgefangen worden. Wirklich mal... Roger ist unsere Motivationsquelle, er weiß so viel über das Spiel und entwickelt die besten Strategien, die uns schon mehrere Siege beschert haben, guckt einfach mal den Pokalschrank in unserem Besprechungsraum an, das kann er sich nicht erschummelt haben, denn so gut schummelt keiner, und er ist noch dazu ein wirklich guter Spieler. Und das sage ich nicht nur, weil er mich, wie Drake behauptet, manipuliert hätte. Er hätte mich auch gar nicht so manipulieren können, weil ich ne Lesbe bin, ich habe gar kein Interesse daran, mich auf die im Artikel benannte Art mit ihm zu befassen und ich sage genau das, was die Fangemeinde der Tutshill Tornados gerade auf den Straßen ausrufen wollen. Sollte meine Meinung nicht genügend sein, ich kenne auch männliche Spieler, die ebenso überzeugt von Rogers Qualitäten als Kapitän sind. Raphael Drake ist nur ein trauriger, verzweifelter und rachsüchtiger Journalist, der selbst keine Karriere gemacht hat und deshalb die anderer zunichte machen will. Aber da hat er sich bei Roger den falschen ausgesucht, und sich dazu noch die falschen Feinde gemacht", ich hatte während ich geredet hatte so viel gestikuliert, wie ich musste und gleichzeitig nicht mehr als nötig, um nicht unglaubwürdig oder emotional aufgebracht zu wirken. Dies war ich auch nicht mal, also unglaubwürdig war ich sowieso nie, das lag mir gar nicht, und über die situation emotional aufgebracht war ich tatsächlich unglaublich wenig, denn ich wusste, wie Roger tickte und ich wusste, dass ihm irgendsoein aufmerksamkeitsgeiler und unbekannter Zeitungsheini (no offense, Lexi, love u <3) nichts anhaben konnte, solange er das Team und die Fans auf seiner Seite hatte. Und da würde es schon etwas mehr brauchen, um diese von ihm wegzubringen.

Lexi
Gelöschter Benutzer
Re: Kleiner Konferenzraum
von Lexi am 04.01.2018 00:45Ein kurzes Grinsen über Azras Ungeduld und den offenbar zu heißen Kaffee konnte ich nicht verhindern, konzentrierte mich aber schnell wieder auf den Artikel, als sie zu sprechen begann. Interessiert hörte ich ihr zu und schaute abwechselnd zu ihr und auf meine Feder, die in Windeseile vor sich hin kritzelte. Ihre Äußerung, dass die einzige eventuelle Stressquelle beim Training sie selbst sei, brachte mich erneut zum Grinsen. Während ihrer leidenschaftlichen Verteidigungsrede, die tatsächlich dem ähnlich kam, was ich mir ausgemalt hatte, überlegte ich bereits, wie ich ihre Worte passend einbinden konnte, da ihre Art ja schon ein wenig... speziell war, was keineswegs eine Beleidigung sein sollte. Im Gegenteil, ich war ein Fan von Ehrlichkeit und Offenheit; beides Eigenschaften, die Azra in sich vereinte. Dazu kam, dass sie nicht auf den Mund gefallen war, was jede Unterhaltung mit ihr umso unterhaltsamer machte. Allerdings konnte ihr Wortwitz erst in einem Interview so richtig aufblühen, ein Kommentar mit einzeiligen Zitaten bot sich bei ihr einfach nicht an.
Meine Überlegungen hielten mich unterdessen keineswegs davon ab, ihr zuzuhören. Das Argument mit der Homosexualität war wirklich gut... Es entkräftete bereits im Voraus mögliche Kritiker. Schande auf mein Haupt, dass ich da noch nicht selbst drauf gekommen war. Ich griff kurz nach meiner Feder und machte mir am Rand eine kleine Notiz, die mich darin hindern sollte, diesen Punkt später zu übersehen. Dann setzte ich die Feder wieder da ab, wo ich ihren Schreibfluss unterbrochen hatte. Hektisch und Tintenklekse produzierend versuchte sie aufzuholen, was sie durch meinen Eingriff eben verpasst hatte. Als ich merkte, wie Azra zum Ende kam, nickte ich langsam. "Apropos ausgesucht... Eine Idee, warum Raphael ausgerechnet auf Roger kam? Haben die beiden eine gemeinsame Vergangenheit? Ich meine, es wäre nicht besonders klug, sich an einem so beliebten Superstar zu vergreifen, "nur", um sich selbst Genugtuung zu verschaffen. Und Drake scheint, auch, wenn seine Tat wenig durchdacht wirkt, kein so vollendeter Idiot zu sein." Ich beobachtete sie, während ich meine Fragen stellte. Sie war einer dieser Menschen, die mindestens genauso viel durch Gestik und Mimik ausdrückten wie durch ihre Worte. Ich wollte nichts verpassen. Ganz abgesehen davon war sie aber auch einfach ein hübscher Anblick.
Re: Kleiner Konferenzraum
von Azra am 09.01.2018 18:06Ich hob die Augenbrauen und blies durch meine Lippen etwas Luft aus, eine Mimik, die bei mir so viel sagte wie: "Boah, keine Ahnung..." Immerhin kannte ich Drake kaum aus der Schule, ich hatte ihn kaum gesehen, bis vor kurzem nicht mal gewusst, dass er existierte, höchstens durch Lexi, welche ja am gleichen Arbeitsplatz wie er war...logischerweise, jedoch wusste ich so nicht unbedingt mehr über ihn als Lexi selbst. "Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorstellen, dass er es einfach so macht", meinte ich dann nach einer kurzen Pause und versuchte erneut an dem Kaffee zu nippen, diesmal mit mehr Erfolg. "Ich meine auch sein Schreibstil wirkt nicht so, als würde er keinen Plan haben von dem was er sagt...aber, mal ganz im ernst, so wie der Blödsinn geschrieben ist, klingt es einfach wie ein weinendes Kleinkind, verstehst du? Wie so ein einsamer, armseliger Typ, der keine Freunde und niemanden hat, der ihn liebt und sich den ganzen Tag nur über die Misere anderer amüsiert um seine eigene zu vergessen, sich aber gleichzeitig jeden Abend in seinem schäbigen Bett in den Schlaf weint, weil er zu diesem zeitpunkt wirklich realisiert, wie allein und armselig er eigentlich ist", ich achtete nicht darauf, dass es zu sehr nach Hassreden klang, denn ich konnte diesen Typen wirklich absolut nicht ab. "Und vermutlich hat er seinen Artikel genauso geschrieben, allein in seinem kleinen Kabuff an seinem dummen Schreibtisch und mit Tränen in den Augen. Kannst ja mal fragen, ob der Artikel mit Tränenflecken drauf abgegeben wurde", ich lachte und sah Lexi direkt an. Ich mochte diese Treffen mit Lexi, egal aus welchem Anlass. Denn egal, ob es um ein Interview ging, oder um etwas anderes, ich konnte immer ich sein, weil sie wusste, wer das war. Neben gutaussehende Frauen abschleppen (hab Lexi leider noch nicht rumbekommen, hehe) war das eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.











Antworten



