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Re: Hugo-Mulberry-Station für Quidditchunfälle
von Meridian am 02.09.2019 16:29Sein Blick ließ mich an dem Entschluss, für meinen Kollegen zu übernehmen, fast zweifeln. Vielleicht gehörte er zu der Sorte Mensch, die lieber nur ihren eigenen Heiler hatten. Wenn das der Fall war, und er etwas wollte, hatte er jetzt Pech. Entweder nahm er mit mir Vorliebe, oder er musste eben warten.
Meine Zweifel wurden allerdings beseitigt, als er dann doch anfing zu sprechen und mein Lächeln, wenn auch etwas wackelig, erwiderte. Vermutlich rührte die anfängliche Unsicherheit daher, dass er mich noch nie gesehen hatte, obwohl er wohl öfter hier vorbeischaute – wie ich bereits gehört und auch schon bemerkt hatte.
Eine etwas unbeholfene Bewegung war die Antwort auf meine Frage, und ich runzelte die Stirn. Schmerzen schien er nicht mehr zu haben, allerdings wird es wohl einen Grund geben, dass sich sein Arm weiterhin in einer Schlinge befand. Die darauf folgende Bemerkung ließ mich allerdings schmunzeln. „Mal wieder also..." murmelte ich leise und ging nun langsam auf ihn zu. Er schien also ein Spezialist auf diesem Gebiet zu sein.
Ich lachte leise, zwinkerte ihm dann zu – etwas, dass ich normalerweise nur bei meinen jüngeren Patienten tat, um sie aufzumuntern und ihnen die Angst zu nehmen – und erwiderte immer noch grinsend: „Das dachte ich mir jetzt sogar fast. Zuschauer trafen hier in letzter Zeit eher weniger ein." Obwohl mir weder die Mannschaft noch die Position irgendetwas sagten, nickte ich und guckte beeindruckt. Dann runzelte ich jedoch die Stirn. „Sucher waren die mit dem kleinen, goldenen Ball, richtig?" Es war mir nicht im geringsten unangenehm, nachfragen zu müssen. Ich war nicht von hier und mit diesem Sport nicht aufgewachsen. Und wenn ich die ganzen Schäden sah, die dieser Sport anrichtete, war ich auch nicht zwangsläufig traurig... Auch wenn etwas in mir flüsterte, dass ich sehr froh sein konnte, dass der junge Mann vor mir sich für diesen waghalsigen Beruf entschieden hatte.
Um meinen Blick von ihm ablenken zu können, sah ich mich weiter nach dem vertrauten Klemmbrett um und entdeckte es tatsächlich unter dem Bett. Wie auch immer der kleine Schlingel dahin geraten war. Ich zog es hervor und warf als erstes einen Blick auf den Namen. „Jupiter Walsh." murmelte ich leise und runzelte die Stirn. Dieser Name war mir tatsächlich ein Begriff. Nicht, wegen irgendeiner Sportart, sondern, weil er im Pausenraum des Öfteren erwähnt wurde. Er war wohl ein Stammgast hier, was mich erneut zum Schmunzeln brachte. Ich blätterte die Seiten durch und suchte nach Bemerkungen, die mir verraten würden, wie nun weiter vorgegangen werden sollte. Auch, als ich die Seite gefunden hatte, und alle Informationen hatte, die ich brauchte, hob ich den Blick nicht, während ich antwortete:„Ich schicke nochmal jemanden mit einem Heiltrank vorbei. Das ist dann die letzte Dosis – in der Hoffnung, dass es die letzte bleiben wird. Anschließend wird entweder ein Kollege oder ich Sie entlassen können. Es wird bestimmt nochmals gesagt werden, aber jetzt hören Sie es auch einmal von mir: Bitte 24 Stunden lang nach Einnahme des Heiltranks keinen anderen Trank einnehmen und, bei Prominenten ist auch das sehr wichtig, von Liebestränken oder Ähnlichem fern halten. Die Kreuzung kann ... sagen wir... interessante Folgen haben." Schnell warf ich einen Blick auf die Uhr und fügte dann noch hinzu:" Ich weiß nicht, wann Ihr nächstes Training stattfindet und mir ist klar, dass gerade bei diesem Sport Risiken sehr gerne eingegangen werden, aber tun Sie uns und sich selbst den Gefallen, und warten Sie bis übermorgen mit dem Training, Mr. Walsh."
Auf seine Anmerkung hin, blinzelte ich nur etwas verwirrt und warf dann einen erneuten Blick auf die Uhr. „Genau genommen befinde ich mich in Stunde 14 eine 12 Stunden Schicht, also sind Sie wohl der letzte Patient, den ich heute betreue. Sehr Klischeehaft, das ist mir bewusst, aber es ist Realität." erwiderte ich. Ich klemmte die Akte wieder an ihren vorbestimmten Platz und lächelte dem jungen Mann erneut zu. „Nun, ich denke, Sie können in ein paar Minuten gehen und dann hoffe ich, Sie hier nicht wieder begrüßen zu müssen." Wieso ich dem Wörtchen 'Hier' eine solch besondere Betonung zukommen ließ, konnte ich mir selbst nicht erklären.
Meinen Platz an seinem Bett verließ ich vorerst nicht, für den Fall, dass er noch weitere Fragen haben sollte. Zumindest rechtfertigte ich damit mein Bleiben vorerst.

uu

Re: Hugo-Mulberry-Station für Quidditchunfälle
von Meridian am 29.03.2019 18:27Es war unglaublich, wie schnell man in den Betrieb dieses Krankenhauses eingegliedert werden konnte. Gefühlt war ich erst vor wenigen Stunden angekommen und doch war ich schon ein fester Bestandteil des hier hantierenden Teams. Es war ein tolles Gefühl, mit offenen Armen empfangen zu werden und nützlich zu sein.
Im Moment war ich irgendwie eher ein Arzt für alles. Ich wurde von einer Station in die nächste geschickt und von zerschmetterten Knochen, bis Vergiftung durch missglückte Liebestränke, war alles dabei. Trotzdem kristallisierten sich ebne genau diese zwei Arten an Notfällen heraus. Verletzungen durch den hier so beliebten Sport Quidditch und Zaubertrankunfälle. Letzteres war bereits in den USA mein Spezialgebiet gewesen. Ersteres war Neuland für mich, aber Knochenbrüche durch Quidditch unterschieden sich nicht sonderlich von Knochenbrüchen anderer Art. Nur wenn man bei besonders seltsamen Fällen mal fragte, wie es denn dazu gekommen sein, scheiterte ich meist an den Erklärungen. Mit Quidditch kannte ich mich nun überhaupt nicht aus. Natürlich, war es mir ein Begriff gewesen, allerdings kannte ich, bis auf den Namen des Sportes, keine weiteren Bezeichnungen. Und wenn mir dann jemand sagte, er wäre gegen ein Tor gefolgen, während er den Kraffel hindurchwerfen wollte, konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Eine Sache, die ich bereits gelernt hatte, war wohl, dass diese Patscher recht gefährlich zu seien scheinen. Weit mehr als die Hälfte landete hier bei mir, weil eines dieser Biester sie vom Besen geholt hatten.Vielleicht sollte ich dennoch mal so etwas wie einen Crashkurs zum Thema Quidditch belegen, damit ich auch verstand, wovon hier immer die, meist durch massiven Zahnverlust sehr undeutliche, Rede war. Ein Schmunzeln tänzelte um meine Mundwinkel, als mir auffiel, dass das Wort Crashkurs im Bezug auf diesen Sport wohl mehr als passend war.
Mit einem Klemmbrett bewaffnet, machte ich mich auf den Weg zu meiner nächsten Patientin. Sie war erst 5 Jahre alt und hatte von etwas genascht, was sie für den Teig eines Schokoladenkuchens gehalten hatte. In Wahrheit handelte es sich jedoch um einen noch sehr unfertigen Trank gegen Müdigkeit. Die Kleine schlief am Laufenden Band und in den ungünstigsten Momenten ein. Hinzu kamen Schluckauf, Übelkeit und Bauchweh. Seit gestern Morgen war sie bei uns und hatte. Seit der ersten Fuhre des Gegenmittels, glücklicherweise keine Schmerzen oder Erbrechen mehr zu beklagen. Als ich kurz in ihr Zimmer sah, schlief sie seelenruhig. Eine Tatsache, die ich sowieso erwartet hatte. Wir würden sie noch bis morgen hierbehalten, dann müsste alles wieder in Ordnung sein und sie und ihr Vater, konnten wieder in ihren Betten schlafen. Mein Blick wanderte kurz zu dem im Sessel schlafenden Mann, dann verließ ich das Zimmer und nahm die Abkürzung durch die Sportunfallabteilung in meine wohlverdiente Pause.
Ein Kollege kam mir auf dem Gang entgegen, in ein Formular vertieft. Ich wollte gerade Grüßen, als er plötzlich aufsah, als hätte man ihn gerufen und zur Seite, in ein angrenzendes Zimmer sah. Also wurde er wohl tatsächlich gerufen. Doch, anstatt das Zimmer zu betreten, sah er mich Hilfesuchend an. Die Schatten unter seinen Augen sprachen Bände und auch seine sonstige Aufmachung ließ auf chronische Übermüdung schließen. „Ich übernehme." sagte ich, und ging lächelnd an ihm vorbei in das Zimmer, welches augenscheinlich das vorübergehende Lager eines jungen Mannes war, der an sämtlichen Stellen Verbände aufwies. Ich legte den Kopf schräg und lächelte freundlich. Ich könnte schwören, dass ich ihn schon an meinem ersten Tag, letzte Woche Montag, hier gesehen hatte. Allerdings war er dort nicht bei Bewusstsein und hatte seine, durchaus hübschen Augen geschlossen. „Wie kann ich behilflich sein?" mein Blick wanderte über seine zahlreichen Verletzungen. „Ich übernehme für meinen Kollegen. Darf ich fragen, was Ihnen überhaupt passiert ist?" Es wirkte seltsam, diese Frage stellen zu müssen, aber er war im Grunde ja nicht mein Patient und von dem Klemmbrett samt Beschreibung seiner Verfassung und Verletzung, fehlt auch jede Spur.

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