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Quibbler

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Re: Quibbler, Zwölfte Ausgabe (Juni)

von Quibbler am 13.06.2018 22:02

jovin u. holunder kommentiert

inspirierende gespräche
VON NYMPHEN, HERZSCHMERZ UND QUIDDITCH - MIT TRACEY DAVIS

 

Der Kampf um den Sieg in der ersten Quidditch-Liga geht natürlich auch an uns nicht vorüber, schließlich befinden wir uns zurzeit nicht auf der HMS Ginna, einem Kreuzfahrtschiff auf dem Weg zum Bermuda Dreieck des Reiseveranstalters TerrorTours, und so ließ ich es mir nicht nehmen eine attraktive und beliebte Quidditchspielerin für den Quibbler zu befragen. Die Wahl fiel, nach diversen Absagen und Umentscheidungen, auf die fabelhafte Tracey Davis! (Anmerkung der Redaktion: Es fehlt tatsächlich kein E im Nachnamen und es besteht keine Verwandtschaft zum Ehepaar Roger und Lexi Davies.)

Da ich zu erst, aufgrund ihres Namens allein, davon ausging, dass sie mit Sicherheit von dem bereits verjährten Davies-Drake-Skandal des Tagespropheten erfahren hatte, befragte ich sie aus Neugier dazu. Sie reagiert genervt und verdrehte dabei die Augen. Es war ein leichtes für mich zu erkennen, dass sie keineswegs angetan von dem Thema war, doch hakte ich weiter nach ob dies an ihrer Verärgerung lag, dass der Kapitän der Tutshill Tornados in ein schlechtes Licht gerückt wurde, schließlich erhielt allein der Tagesprophet und der entsprechende Journalist heftigen Gegenwind, oder ob ihre Abneigung daher rührte, dass Mrs. Davies ihrem Ehemann einen neuen, deutlich positiveren Artikel schenkte – immerhin war auch dies eine kontroverse Diskussion beim Quibbler.

Doch schien Ms. Davis nicht bewusst zu sein, dass ihre ehemalige Flamme (mehr dazu später) offensichtlich mittlerweile verheiratet zu sein und taxierte mich verwirrt. „Moment.. Ehefrau? Also glauben Sie ernsthaft, dass die beiden verheiratet sind?" Sie schien schon fast erschüttert zu sein, doch bemühte sich die grandiose junge Quidditchspielerin sehr die Fassung zu wahren und Stärke zu zeigen, sich für ihren Ex und dessen Neue zu freuen. Eifersucht und Trauer spiegelten sich in den grün-braunen Augen, deren Farben dem Moor, in welchem die Nymphen leben, Konkurrenz machen.

Wissend, dass dieses Thema diese selbstbewusste Frau doch sehr zu schaffen macht, wechselte ich aus Rücksicht das Thema und kam auf das eigentliche Thema zu sprechen: Quidditch. So erkundigte ich mich danach ob etwas an dem Gerücht dran sei, dass die Falmouth Falcons nur deshalb gegen die Wimbourne Wasps gewinnen konnte, weil der Schiedsrichter Jonathan Cumberya, bestochen wurde. Immerhin wurde ihm schon durch diverse Anstecker nachgewiesen ein Fan der Appleby Arrows zu sein, den verschworenen Todfeinden der Wasps! War etwa allein dies der Grund weshalb es den Falcons, die wohl nicht gerade für ihre elegante Spielweise oder gar ihr sportliches Auftreten bekannt sind, möglich zu gewinnen? Vehement wies sie den Vorwurf der Manipulation zurück.

„Ich kann dazu nur sagen, dass wir die Schiedsrichter sicherlich nicht bestochen haben. Was hätten wir davon? Wir trainieren hart, überlegen uns Taktiken und schauen uns unsere Gegner genau an. Wir analysieren ihre Techniken, um auf dem Feld gut dagegen ankommen zu können. Einen Schiedsrichter zu bestechen, um an einen Sieg zu kommen ... ich bitte Sie, das ist lächerlich! Wir gewinnen unsere Spiele, weil wir uns ins Zeug legen, jeder von uns unglaublich talentiert ist, und, weil wir wissen, was wir tun!"

Es war definitiv kein Schweres die Ernsthaftigkeit hinter ihren Worten zu erkennen und die Intensität mit der sie sprach, verschlug mir beinahe die Sprache. An den üblen Gerüchten ist ganz sicherlich nichts dran und wer auch immer diese in die Welt gesetzt haben sollte, sollte sich schämen. Zutiefst! Und sich bei Ms. Davis und den anderen Spielern der Falcons für sein unsittliches Benehmen entschuldigen. Ich stimmte ihr schließlich zu, zumal auch ein weiser Reporter der Quidditch League erst kürzlich in einem Artikel angemerkt hatte, dass die Falcons mit vollem Körpereinsatz spielen würden – was vollkommen stimmt.

Auf meine Frage hin, ob sie stolz auf ihr Team sei und wie sie sich mit ihren Kameraden verstehen würde, antwortete sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. Stolz glitzerte in ihrem Blick und das zerbrechliche Mädchen von vorhin erblühte nun wieder zu einer energiegeladenen jungen Frau, während sie mir auf meine Fragen euphorisch antwortete.

„Ich könnte platzen vor Stolz! Wir verstehen uns untereinander alle wirklich gut. Wir sind ein eingespieltes Team, was man auch auf dem Feld sieht. Wir unterstützen uns gegenseitig und versuchen auch stets füreinander da zu sein."

Finden Sie, mein lieber Leser, nicht auch, dass das wahrhaftig rührend ist? Es scheint mir, dass die Falcons, von heute an mein liebstes Quidditchteam, nicht nur eine Mannschaft sind, sondern eine Familie. Wäre ich nicht so sagenhaft professionell in diesem Moment gewesen, wären mir sicher einige Tränen der Rührung in die Augen gestiegen, doch vergießen Sie an meiner Stelle Ihre Freude! Allerdings inspirierten mich ihre Worte außerordentlich, weswegen ich es mir nicht nehmen ließ, ihrer großartigen Persönlichkeit und, dass sich andere Menschen eine Menge von ihr abschneiden können, ein Kompliment zu machen. (Sie kann das Trinken von Ingwer bei Mondschein übrigens als Unterstützung der Konzentration vor einem wichtigen Spiel und um den Geist zu lösen, nur empfehlen.)

Natürlich kamen wir bei einem anregenden Gespräch über Quidditch, welches ihr größes Glück darstellt, und dem Thema wie man seine Leidenschaft zum Beruf macht („Durch sehr viel Arbeit. Man muss sich auf jeden Fall reinhängen und dafür sorgen, dass man auffällt. Also nicht im Sinne von Aussehen, Charakter oder sonstiges. Man muss auf dem Feld auffallen – positiv natürlich. Es ist ein schwerer Weg, aber es lohnt sich auf jeden Fall.") auf ihr Privatleben zu sprechen. Laut eigener Aussage, sei es „nicht immer einfach einen perfekten Übergang zwischen Beruf- und Privatleben zu haben, aber nach einer Weile bekommt man das schon irgendwie in den Griff." Tracey dementierte auch das Gerücht, dass zwischen ihr und einem gewissen Muggelzauberer namens Ashton Berrow, eine Beziehung entstehen würde.

Allerdings erfuhr ich nach dem Interview von einer ehemaligen Mitschülerin Davis', Marie J., dass Tracey mit dem zuvor angesprochenen Roger Davies zu Schulzeiten eine turbulente Beziehung führte, die negativ endete. Angeblich sollen sie seit dem nur noch streiten, sobald es zu einem Gespräch kommt. Trotz des Hasses, scheint es zumindest von ihrer Seite aus, noch eine Menge Liebe für ihren ehemaligen Lebensgefährten zu geben, der sein Glück allerdings in einer anderen Frau gefunden hat. Obwohl sich die Frage stellt, ob Lexi und Roger noch liiert sind? Schließlich berichtete der Tagesprophet erst vor kurzem, dass er Single sei – eine ungeahnte Wendung in der harmonisch scheinenden Ehe? Wird es bald eine öffentliche Schlammschlacht geben? Ist Tracey, diese wundervolle inspirierende Persönlichkeit, vielleicht sogar der Grund? Mehr dazu wird es im Laufe der Zeit geben.

Top Secrets von Tracey Davis, die sie exklusiv beim Quibbler preisgegeben hat:
- Sie trinkt ihren Kaffee mit Johanniskraut
- Man kann ihr mit Muggelzaubertricks imponieren
- Sie unterstützt die These, dass die Mondphase in der man geboren wurde zum späteren Erfolg im Leben beiträgt
- Sie richtet sich schon bald ein Postfach ein – die Adresse wird hier bekannt gegeben
- Sie liest den Quibbler in ihrer Freizeit
- Madame Desdemona Moonfall hilft ihr dabei ihr privates Liebesglück zu finden

13.06.2001, jovin u. holunder


 

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Re: Quibbler, Zwölfte Ausgabe (Juni)

von Quibbler am 09.06.2018 22:27

prosa & poesie

dichter des monats: jovin u. holunder

All diese tiefgreifenden Gedichte wurden von Menschen inspiriert, welche ich selber kennenlernen durfte oder welche ich durch Zufall erblickt habe und die mich so gleich faszinierten. Sicherlich dürften geweiefte Leser die ein oder andere Person hinter dem Gedicht erkennen können, doch handeln nur zwei von den fünf Texten von prominenten Personen. Doch möglicherweise haben Sie das Glück ja auch eine der anderen privat zu kennen und nun in meinen Worten wiederzuerkennen.

Symphonie für eine Nymphe
Mondglanz.
Ihre Auge funkeln so hell und strahlen.
Sonnentanz.
Ihre Erscheinung ist so grell und ich würd' sie am liebsten malen.
Sternendistanz.
Sie, oh die Göttin der Schönheit, ihr Anblick erheitert mein Gemüt,
so dass in mir jede farbenfrohe Blume blüht,
welche ich allein für sie in meinem Herz pflanze,
damit auch ich erstrahle in voller Ganze.

Zwischen Geschwisterliebe und –hass.
Sein Blick leer und ohne Hall.
Seine Sprache ohne Worte und ohne Schall.
Gepeinigte Seele.
Dunkle Ränder um die Augen, da sie glauben nichts zu taugen.
Aschfahle Haut vom fehlenden Sonnenlicht, unsichtbare Narbe die aufbricht.
Gequälte Seele.
Haltung stets gebeugt, als sei er überzeugt, dass er zu nichts im Stande ist.
Sein Leben eine Qual, verursacht durch einen Terrorist.
Er, ein Artist des Leidens, der konfrontiert mit so viel Mist.
Und dies allein durch eine List.

Wölfische Natur
Das Haar des Mädchens, glänzend, lang und dick.
Wie wogende Wellen, umrahmt es ihr herzförmiges Gesicht.
In ihrem Blick liegt etwas Ängstliches, etwas Aufgeregtes.
Doch ihr Geist, ihre Seele strahlt so viel mehr aus.
Trauer. Wut. Verzweiflung. Angst!
Ein Leben verändert durch eine einzige Tat, an einem einzigen Tag. Etwas, was sie niemals zu ändern vermag.
Infiziert mit einer Krankheit, einer die sich an ihrer Wut ernährt, ohne, dass sie sich dagegen wehrt.
Ihre wallendes Haar kommt einem Pelz gleich, einem Pelz, den sie sich zulegen musste um sich gegen die Grausamkeit der Natur zu behaupten. Um sich gegen die Grausamkeit der Menschen zu behaupten.
Haar oder Pelz? Eckzähne oder Reisszähne? Mensch oder Wolf?

Jägerin des Wissens
Eine junge Frau auf der Suche nach Glück, einer Familie und Lebenslust.
Ihr Leben bisher geprägt durch den Blick zurück, viele Ziele und Frust.
So viel Liebe zu geben. Für Kinder, für Mitmenschen, für Kunst und Musik, für Naturwunder.
So viel Hass gegen Verbote, gegen Mitmenschen, gegen Streit, gegen Opfer.
Blondes Haar strähnig im Flugwind. Erheiterndes Lachen. Klare blaue Augen.
Kämpfernatur.
Kämpfernatur, stets auf der Spur.
Kämpfernatur, stets auf der Spur, nach der Wahrheit.
Schwingende Federn, kratzen auf Pergament, trocknende Tinte.

Des Spielens verrückt
Nicht nur Kartentricks allein vermögen ihn zu amüsieren, auch das veralbern seiner Mitmenschen gehört dazu.
Er weiß die schöne Lüge und den schönen Schein zu servieren, doch frage ich mich nur wozu?
Stets hat der ungestüme Junge ein Ass im Ärmel.
Doch frage ich mich nur wozu?
Ist es die Angst nicht zu genügen? Die Angst zu versagen und zu enttäuschen?
Sind es viel mehr seine Mitmenschen die ihn betrügen? Wo liegt der Phönix begraben, dass er stets andere täuscht?
Doch sein Lebenswille schier unglaublich ist, gehört er zu jenen die sich selbst bezeichnen als Optimist.
Langeweile, die ihn umschließt wie ein Bündel Seile. Ihm die Luft abdrückt, weswegen er häufig glaubt zu sein verrückt.
Allerdings nicht wie der Hutmacher aus dem Märchen, nicht wie des Hundes Herrchen und auch nicht wie das unglückliche Pärchen auf der Bank.
Verdammt zum Spielen.
Verdammt zu dazu Tricks anzuwenden um Liebe zu entwenden.
Trauriges Spiel. Trauriges Kartenset. Trauriges Ass.

09.06.2001, jovin u. holunder

 

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Re: Quibbler, Zwölfte Ausgabe (Juni)

von Quibbler am 01.06.2018 12:25

horoskope

horoskop: juni


ZWILLING
21.05. - 21.6.
Der Zwilling darf sich in diesem Monat komplett gehen lassen. Liegen sie tagelang im Bett, tun sie gar nichts und gönnen sie sich eine Zeit ohne Stress. Essen sie viel und genießen sie das tadellose Wetter. Sie haben es sich verdient!


KREBS
21.06. - 23.07.
Sollten sie ein Hühnchen sehen, welches wild im Kreis rennt, ist dies ein böses Omen von den Winden des Jupiter entsandt. Nehmen sie sich in Acht, das Hühnchen könnte ihnen den gnadenlosen Tod bringen, sofern sie sich nicht vor dessen Anblick in Kombination mit gesalzenem Popcorn zum Abendbrot hüten.


LÖWE
23.07. - 23.08.
Die Temperaturen machen dem Löwen in diesem Monat viel zu schaffen, doch wird er sie heil überstehen, sollte er sich zu Beginn des Monats eine Erkältung einfangen und diese mithilfe von Kräuterlikör und Hühnerbrühe mit Rindfleisch kurieren. Das wird sein Immunsystem sowie seine Hitzeresistenz stärken.


JUNGFRAU
23.08. - 23.09.
Sie werden eine schwere Zeit durchleben, Trägheit und Lustlosigkeit mischen sich mit Müdigkeit und Überforderung, sofern sie es nicht schaffen, mithilfe ihrer Freunde und der richtigen Aktivität, dies zu überwinden und zu besiegen. Sollten sie dies schaffen, wird der Juni für sie zwar nicht angenehm, aber ertragbar.


WAAGE
23.09. - 23.10.
Die Waage findet im Juni ihre Bestimmung in der Liebe, sofern sie ein altes Hobby aufgibt und ein neues findet, sie steht im sicheren Schatten der Venus, welcher ihr eine unwiderstehliche Aura gibt und in dem neuen Hobby wird sie ihren Liebeserfolg finden und zu sich aufnehmen.


SKORPION
23.10. - 22.10.
Der Skorpion wird ein großes Vermögen verlieren, jedoch muss dies nicht von materiellem Wert sein. Stattdessen wird er jedoch gleichzeitig an einer Freundschaft gewinnen, welche bis zum Ende des Monats halten und dann jäh enden wird, sofern er sein Vermögen zurückerlangt hat.


SCHÜTZE
22.11. - 22.12.
Dem Schützen wird im Juni ein Mann begegnen, welcher eine Verkündung geben wird, die sein Leben verändern wird. Ob in die gute oder in die schlechte Richtung, sei noch zu klären, indem der Schütze selbst die Verkündung richtig oder falsch interpretiert, einen anderen Weg gibt es nicht. Achten sie bei dem äußeren des Mannes auf Augenringe und eine gigantisch große Erscheinung.


STEINBOCK
23.12. - 22.01.
Im Juni wird der Steinbock ein unglaubliches Leid erfahren, jedoch nicht in Form eines Verlusts, sondern eher in Form einer Angst, welche ihn im Schlaf heimsuchen wird. Um dagegen zu wirken, sollten sie also um ihr Bett herum einen Kreis aus Salz ausstreuen und mehrere Duftkerzen aufstellen. Auch sollten sie zum Schlafen ein Fenster gen Norden öffnen.


WASSERMANN
20.01. - 18.02.
Der Wassermann sollte sich in eine kühlere Region begeben, um die aufkommende Hitze in dieser Gegend zu überstehen, denn kann es passieren, dass er sich sonst einen schweren Sonnenbrand einfängt, wenn nicht gar einen Sonnenstich, der ihn den Monat lang flachliegen ließe.


FISCHE
18.02. - 20.03
Sie sollten sich nicht in ein Schwimmbad oder generell offene Gewässer begeben, da die vorherrschenden Jupiterwinde ihnen eine höhere Ertrinkungsgefahr bieten. Auch besteht die Gefahr, dass sie stolpern und sich das Genick brechen oder dass sie von einem wilden Wesen angefallen werden. Bleiben sie am besten einfach im Haus oder direkt in ihrem Bett und passen sie gut auf sich auf, sofern sie überleben wollen.


WIDDER
20.03. - 20.04.
Sollte Regen ihr Wohngebiet erreichen, nehmen sie sich davor in Acht, denn jeder dritte Tropfen wird ihnen auf der Haut brennen, sollten sie sich zuvor geduscht haben. Ein magischer Wind vom Jupiter sorgt für eine nahezu toxische Beschaffenheit des Regens, welcher es ihnen schwer machen wird, diesen nach dem Duschen zu überstehen.


STIER
20.04. - 21.05.
Der Stier wird mit seiner Taktik „mit dem Kopf durch die Wand" in diesem Monat einmalig etwas erreichen, sollte er sich darum bemühen, eine Obrigkeit zu beeindrucken und ihr zu imponieren. Daraufhin wird jedoch auch ebenso schnell wie der Erfolg kommt auch ein Tief folgen, welches der Stier am besten allein und zuhause, abgeschottet von Freunden und Familie verbringen sollte.


01.06.2001, madame desdemona moonfall

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Quibbler, Zwölfte Ausgabe (Juni)

von Quibbler am 01.06.2018 12:12

                              T H E

Z W Ö L F T E  A U S G A B E  ( J U N I )

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Re: Quibbler, Elfte Ausgabe (Mai)

von Quibbler am 31.05.2018 16:37

prosa & poesie

ich kann mich nicht bewegen



Die Stimme war genauso schnell aufgetaucht, wie die anderen verschwunden waren. Monatelang hatte die Stille in meinen Ohren geschlafen und sich breit gemacht, nicht willig, sich meinem Willen zu fügen und zu verschwinden, bis ich ihn hörte. Obwohl er leise war, schob sich seine Stimme so eindringlich und unausweichlich zwischen die Stille und meine Trommelfelle, dass ich gar nicht umhin konnte, in den großen Sumpf hinaus zu waten und nachzusehen, wer da war. Bevor ich die Grenze zum unnachgiebigen Morast übertrat, konnte ich ihn sehen. Er war eine kleine Gestalt, hellblonde Haare und ein beinahe so zierliches Gesicht, dass ich glaubte, er müsste dem Moor, welches ihn verschlang, wohl wie Zucker munden. Jedoch blitzten mir nur seine hellen, beinahe bernsteinfarbenen Augen durch den Schlamm, der bereits sein Gesicht verdreckt hatte, entgegen und ermöglichten es mir, ihn zu orten. Sobald ich mich in seine Nähe hatte begeben können, hatte er aufgehört zu rufen, bereits bis zum Hals steckte er in dem morastigen Boden. Ich warf ihm ein Seil aus, welches ich bei mir zu tragen pflegte, in dem Glauben, jeden Tag wohl doch noch überlebende finden zu können, doch dem war nie so gewesen. Bis heute. Der dunkle Himmel machte es mir schwer, ihn im Moment genauer zu erkennen, trotzdem sich meine Augen an die weilende Finsternis gewöhnt hatten. Seit Monaten hatte ich in der Gegend keinen Sonnenstrahl mehr erblickt.
Er schien das Seil zu greifen, mit letzter Kraft, denn ich spürte es kaum, als er sich festhielt und nun zu wimmern begann: „Ich kann mich nicht bewegen...ich kann mich nicht bewegen", er sagte nicht mehr, nur noch das und während ich ihn herauszog, versuchte ich, ihm ruhig zuzusprechen und ihn zu beruhigen. Es war ein schweres Stück Arbeit, ihn aus dem Sumpf zu entfernen, und das obwohl er kaum etwas wog, wie ich feststellen konnte, sobald ich ihn vor mir liegen sah, gerettet aus dem unnachgiebigen Sog der schlammigen Tiefen. Er zitterte und fror und wollte sich sogleich zusammenrollen, obwohl der Boden noch immer triefend und kühl war. Als ich mich zu ihm hinabbeugte, um ihn auf meine Arme zu heben, klammerte er sich sofort an dem lockeren alten Shirt meines Vaters fest, welches ich regelmäßig trug, denn ich lebte in ständiger Angst, ihn zu vergessen. „Ich kann mich nicht bewegen", wiederholte er erneut und vergrub sein Gesicht in meiner Schulter, doch sagte ich nichts mehr dazu. So etwas konnte tierisch traumatisierend sein.

Wo genau er herkam oder was ihn in diese verfluchte Gegend verschlagen hatte, konnte ich mir nicht erklären. Doch das musste ich auch nicht, was zählte, war sein Leben zu retten. Also brachte ich ihn ohne Umwege zu meiner kleinen Hütte in der Nähe des Sumpfes, welche wohl bald ebenso wie der Rest der Stadt darin verschwinden würde. Mit mir darin, es war nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte niemand dem Moor endgültig entkommen können. Der Kleine hatte irgendwann auf dem Weg aufgehört, zu sprechen und hielt sich lediglich an mir fest, als könnte er fallen und verloren gehen. Als ich in meinem Heim anlangte, stieß ich die Tür mit dem Fuß auf und legte ihn sanft auf meinem Bett ab, den Schlamm und den Dreck, der an seinem Körper und seinen Klamotten klebte nicht achtend, bevor ich eine Kerze anzündete, welche nur spärlich Licht durch die verpestete und verdunkelte Luft spendete. „Ich lasse dir mal ein Bad ein", sagte ich sanft zu ihm, doch er zeigte keine Reaktion. Es war mir egal, denn allein die Gesellschaft tat mir gut und lenkte mich ein wenig ab. Also nahm ich die alte Metallwanne, um sie aufzustellen, bevor ich ein Feuer entfachte und etwas Wasser aus dem Brunnen in der Mitte der einräumigen Hütte darüber stellte. In der Wartezeit, die es dauerte, bis das Wasser aufgewärmt war, musterte ich ihn wieder. Ich konnte ihn im flackernden Licht des Feuers genauer erkennen und stellte fest, dass nicht nur seine Gesichtszüge, sondern sein gesamter Körper zierlich und schmal aussahen, beinahe als würde er zerbrechen oder zu Staub zerfallen, wenn man ihn berühren würde.

Das Wasser schließlich in die Wanne füllend, sah ich aus dem Augenwinkel, wie er den Kopf hob und erst das dampfende Wasser und dann mich ansah. Es war warm und würde ihm sicher guttun, weshalb ich also die wenigen Schritte durch den Raum zu ihm überbrückte und ihn erneut vorsichtig hochhob. Während ich ihn sanft durch den Raum trug, hatte er diesmal seinen Blick unentwegt auf mein Gesicht gerichtet, sagte jedoch nichts. Ich stellte ihn vor der Wanne ab, seine baren und kleinen Füße berührten den Boden beinahe lautlos und obwohl ich seine Haut durch den Dreck kaum erkennen konnte, war ich mir sicher, dass sie wohl ebenso weiß waren, wie der Rest seines Körpers. Ich half ihm vorsichtig dabei, seine Klamotten zu entfernen, wogegen er sich nicht aussprach oder wehrte, die ganze Zeit blickte er mich nur stumm an. Als er dann so zitternd und am ganzen Körper verdreckt vor mir stand, sodass nur wenige Stellen seiner schneeweißen Haut hervorblitzten, empfand ich noch mehr Mitleid, als sowieso schon und half ihm vorsichtig in die Wanne vor ihm. Für einen Moment fürchtete ich, dass das Wasser zu warm sein würde, doch der Kleine schien es zu genießen, denn er ließ sich sofort in der dampfenden Wanne nieder und setzte sich hin, wobei er sich bedacht am Wannenrand festhielt. Sein Blick war kurz in das Wasser gerichtet, dann wieder auf mich und ich musste feststellen, dass sein Gesicht noch immer von langsam trocknendem Schlamm bedeckt war. Ich kniete mich neben die Wanne und stützte mich vorsichtig auf dem Rand ab, um meine Hände mit etwas Wasser zu benässen und dann damit sanft über sein Gesicht zu streichen, wobei mein Blick in seinen Augen lag, ebenso wie der seine in meinen. Es war ein magischer Moment und ich hatte trotz meiner Angst das Gefühl, in Sicherheit zu sein. Und wider meiner Erwartungen zeigten seine unter dem Schlamm langsam erscheinenden und tatsächlich zierlichen und schneeweißen Züge ein kleines Lächeln, als wir uns so schweigend ansahen. Wir brauchten keine Worte, um uns zu verstehen. Wir wussten um unser Schicksal und wir wussten, dass wir es nun teilten.

Nachdem er wieder bereinigt von Schlamm und Dreck war und seine Haare klitschnass an seiner Kopfhaut klebten, gab ich ihm ein sanftes Gewand, welches weich und weiß war, ebenso wie seine Haut, und aussah, wie ein kleines Nachtleibchen. Obwohl er sich nicht verbal bedankte, er redeten generell nicht, sah ich in seinen Augen, wie froh er darüber war, dass ich ihn gefunden hatte. Doch sah er ebenso, wie er froh war, auch müde aus, weshalb ich ihm sofort nachdem er das flauschige Leibchen trug, in mein Bett half und ihn mit der federigen Daunendecke bedeckte. Als ich mich zurückziehen wollte, um mir eine andere Schlafstelle zurechtzumachen, hielt er jedoch meinen Ärmel fest und sobald ich mich umwandte, blickte ich wieder in seine großen Augen. „Ich kann mich nicht bewegen...", murmelte er nur und sah mich dabei vielsagend an, doch ich lächelte nur beruhigend und setzte mich zu ihm an die Bettkante, um ihm vorsichtig durch das Haar zu streichen. Bald übermannte ihn der Schlaf und seine Augen fielen zu, doch ließ er meine Hand nicht los, weshalb ich mich schließlich zu ihm in das Bett legte.

Noch ein paar Monate lebten wir gemeinsam, er sprach nie mehr als diesen einen Satz, jedoch wurde es seltener, bis er schließlich gar nicht mehr sprach und ich glaubte beinahe schon, seine sanfte Stimme nie wieder hören zu können, bis zu diesem Tag. Der Tag, den ich schon seit Anbeginn meiner einsamen Existenz berechnet und vorhergesehen und in der letzten Zeit lediglich verdrängt hatte, denn ich wollte nicht mehr, dass er eintraf. Ich führte eine glückliche Existenz, obwohl der Himmel für immer grau war und meine Familie für immer im Moor verloren, ich war glücklich mit ihm. Doch ebenso wie alles Schlechte ein Ende fand, tat es das Gute ihm gleich und so endete auch dieser Abschnitt meines Lebens so jäh, wie er begonnen hatte. An diesem Tag waren wir gemeinsam im Haus, wie eigentlich immer - wir verließen es nur, wenn wir jagen mussten und Nahrung brauchten – als es plötzlich begann, sich zu bewegen. Erst wackelte es sanft hin und her, doch schnell begann es, ruckartiger zu wanken und sank gnadenlos in die Tiefe. Ich erschrak und auch er zuckte zusammen und sofort wandte sich sein Blick ängstlich an mich. Ich richtete mich auf, um zu erkennen, was geschah, und stellte fest, dass zwischen den Ritzen des Bodens bereits der erste Schlamm hervorsprudelte. Der Sumpf hatte uns eingeholt.

„Es passiert", sagte ich sofort zu ihm und er sprang auf, um sich an mich zu klammern, seine zarten Hände wie am Anfang in mein Shirt gekrallt. Auch ich legte meine Arme um ihn, in dem Versuch, ihn bei mir zu halten. Nichts mehr, nicht mal das Moor würde uns voneinander trennen können, es war unmöglich. Wir mussten keine Angst haben. Wir konnten das Haus nicht mehr verlassen, die Tür war vom Morast verklebt, welcher sich schmatzend und ächzend durch die Hauswände schob und zwängte und alles zu verschlingen vermochte, auch uns. Wenige Minuten später waren schon unsere Füße im Schlamm verschwunden und wir spürten, wie kalt dieser war, wie gnadenlos er uns nach unten ziehen wollte. Das Haus sank schneller, als wir es taten, als wolle das Moor und bewusstmachen, dass wir wirklich verloren waren und bald hatte uns die Decke erreicht. Das Dach bestand glücklicherweise nur aus Stroh und Gras, welches wir zur Seite schieben konnten. Der Anblick, der sich uns bot, war unfassbar. Statt des grauen und lichtlosen Himmels entblößte sich ein Sternenhimmel, wie wir ihn nie zuvor gesehen hatten. Beinahe nahtlos bedeckt von sich windenden Galaxien und Sonnen strahlte er ein mattes, weißes Licht auf unsere eingefallenen Gesichter und wir konnten nicht umhin, unsere Köpfe trotz der Situation in den Nacken zu legen. Uns war unendlich kalt und die Tiefe unter uns war unendlich, jedoch ebenso wie die Höhe über uns. Schon waren wir bis zur Hüfte versunken, unsere Hütte nicht mehr sichtbar. Doch wir hatten keine Angst, solange wir beieinander waren. Je weiter wir sanken, desto kälter wurde es und wir mussten feststellen: Wir konnten uns nicht bewegen.

Doch zu unserem Schock begann das Moor auch, uns auseinanderzutreiben. Erst zwängte es sich zwischen unsere Brustkörbe, dann löste es meine Arme von seinem Rücken und seine Hände von meinen Schultern. Panisch sahen wir uns an, wir hielten uns verzweifelt aneinander fest, in dem Wunsch, uns nicht zu verlieren, doch der Sumpf arbeitete gegen uns. Weiter nach unten ging es, wir spürten keinen Boden mehr unter den Füßen und keine Sicherheit, außer jener, dass es zu spät war. Und da sprach er. Ich hatte immer gedacht, er könne nur noch einen Satz, traumatisiert von seiner Erfahrung, welche sich soeben wiederholte, aber das war es nicht. Er hob mit letzter Kraft seine beinahe bereits versunkene Hand aus dem Morast an, um mein Kinn bestimmt zu sich zu drehen und mir direkt in die Augen zu sehen. „Ich liebe dich", sagte er leise und ein Lächeln zuckte über seine schmalen, blassen Lippen. Ich erwiderte seinen Blick mit ängstlichen Augen, während er immer weiter von mir weggetrieben wurde. Meine Hände fest um seine geklammert, versuchte ich ihn, durch den Schlamm wieder zu mir zu ziehen oder ihn zumindest festzuhalten. Mir war kalt, so kalt. Mein ganzer Körper war taub und durch den trägen Boden konnte ich weder ihn noch mich bewegen, weshalb eine wilde Verzweiflung mich packte. Ich war bis zum Kinn versunken und konnte ihn schon nicht mehr sehen, nur seine kalten Finger spürte ich noch, bis auch diese mir vom Boden entrissen wurden. Resigniert legte ich den Kopf zurück, richtete meinen Blick in den Himmel, an welchem die Sterne noch immer strahlten. Und mit einem Mal war ich wieder allein.


31.05.2001, humbertus geringloh

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Quibbler, Elfte Ausgabe (Mai)

von Quibbler am 31.05.2018 16:24

                              T H E

E L F T E  A U S G A B E  ( M A I )

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Re: Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 24.04.2018 16:22

prosa & poesie - analyse

silvius baer

DER GENIUS MIT DER SCHARFEN ZUNGE

Einst, vor wenigen Tagen, fand ich bei einer entspannten Runde mit meinen Kumpanen einige Momente Ruhe in einer düstreren, jedoch sehr lauschigen Kneipe. Wir saßen bei einem Butterbier beieinander und verbrachten einen angenehmen Abend, als wie aus dem Nichts und zur Überraschung aller anwesenden meiner Freundesgruppe ein mittelalter Herr sich plötzlich über die Häupter aller Anwesenden erhob. Zunächst war nicht erkennbar, wie der Mann auf diese Größe gestiegen war, doch bei genauerem Hinsehen erkannte man durch die Dunstschleier von Finsternis und dem leichten Alkoholeinfluss in den Augen, dass der Herr wohl zwei Barhocker aneinander geschoben und sich darauf gestellt hatte und somit die Menge überragte. Wie auf ein unausgesprochenes Kommando herrschte mit einem Mal Ruhe in der vorher rege belebten Kneipe und alle Blicke waren wie gebannt auf den Mann mitten im Raum gerichtet, dessen reglose Konturen sich nur gerade so vor dem dunklen Untergrund abhoben. Es war als würde die Zeit einen Moment stillstehen und ich glaubte, den Atem der Welt hören zu können, der wie ein unerkennbarer Hauch über unsere Köpfe wehte und mir eine Gänsehaut verschaffte. Allein die Aura dieses noch rätselhaften Mannes hatte eine solch kraftvolle Wirkung, dass scheinbar jeder Anwesende, ausnahmslos, hören wollte, was er zu sagen hatte. Als der Mann sich wieder zu regen begann, indem er einen tiefen Luftzug nahm, war es als würde der ganze Raum aufatmen, doch löste sich die Spannung keineswegs, im Gegenteil, sie intensivierte sich nur umso deutlicher.

Auch ich merkte, dass ich den Atem einige Sekunden hatte innehalten lassen, als der erhobene Herr mit einer kräftigen und brummenden, aber beinahe hauchenden Stimme zu sprechen begann, wie vom heiligen Geist besessen und den Blick unbestimmt in die Ferne gerichtet: „Silvius Baer", sagte er nun und ließ diese Worte nur im Raum stehen und sofort fragte ich mich, obwohl die Antwort in der Spannung der Luft zu liegen schien, wer oder was dieser Silvius Baer war. Woher kam er oder es und wohin ging er oder es, was brachte er oder es und was nahm er oder es von uns mit in sein scheinbar unendliches Land der Sicherheit und Inspiration? All diese Fragen kreisten in meinem Kopf umher, als der Herr lediglich diesen Namen verlauten ließ und mit einer ekstatisch gehobenen Hand als Geste der Ruhe anmutig inmitten der gebannten Zuschauer innehielt. Als er nun erneut zum Sprechen ansetzte, glaubte ich, schon vorher zu wissen, was er sagen würde und gleichzeitig wie ein unwissendes Kind, das eine Lehrstunde erhalten wollte, zu ihm aufzusehen. „Ich", sagte er lediglich und mit weit geöffneten Augen hatte er seinen Blick in eine Ferne gerichtet, die nur er sehen konnte und es war mit Sicherheit eine wunderschöne Ferne, in der er in ein paradiesisches Land blicken konnte, welches nur für ihn den großen Schöpfer der Sprache geschaffen war, „bin Silvius Baer. Autor, Poet...und ich präsentiere: Gedankensplitter eines Menschen", die Tatsache, dass er das Wort „Mensch" benutzte und dabei weder in „Zauberer" noch in „Muggel" oder irgendetwas weiteres klassifizierte zeigte bereits die unglaubliche Fähigkeit des weitläufigen und mehrdimensionalen Blickes, den er bewies. Erneut herrschte gespannte Stille, als Baer wieder zum Sprechen ansetzte.

Das erste Gedicht, das er vortrug, trägt den liebevollen Titel „Klangkunst", welcher bereits maßgebende Aussagen über das Werk tätigt, die Erfahrung selbst jedoch war ebenfalls unbeschreiblich schön und faszinierend. In meinen Ohren hallte die volle Stimme des begabten Autors wieder und sorgte dafür, dass ich im Klang des Gedichtes in eine Trance fiel, die mich die Augen schließen ließ und mich auf eine Reise schickte, eine Reise ins Jenseits der Literatur, ein Land welches fernab meiner Vorstellungskraft existiert und in dem ich wusste, ich hätte glücklich sein können, wäre ich nicht hier in dieser Welt gefangen. Es war eine Mischung aus Ekstase und Melancholie, die ich bei der Imagination dieses Landes in meiner Brust spürte und die sich ebendort zu einem wilden Knäuel verfingen, nicht in der Lage sich jemals aus ihrer Situation zu freien, ebenso wenig wie ich mich aus der Welt freien konnte, in der ich offensichtlich nun mal gefangen war. Es war ein Dilemma, ein Dilemma aus dem ich nur hätte entkommen können, hörte der Künstler mit dem Sprechen auf, doch er tat es nicht. Ich flehte beinahe, ich weinte und lachte doch all dies nur in meinen Gedanken und dann...schwieg er. Und sofort wünschte ich mir seine Stimme zurück, vermisste den Klang seiner Worte in meinen Ohren. Und ja, man hört die Stille und zwar immer genau dann, wenn man sie nicht hören will, genau dann ist sie unerträglich laut und findet ihren Weg durch die Ohren in das tiefste Innere des menschlichen Herzens, berührt es und nimmt sich die dunkelsten Gefühle und die verborgensten Ängste hervor, um sie im Kopf umherzuwirbeln. Und all dies nur ausgelöst durch die Worte die leise aber mehr als deutlich aus dem schmalen Mund des begabten Poeten drangen. Die ganze Gemeinde in der Kneipe hing nun gebannt an den Lippen des Autors, begierig, jedes einzelne Wort daraus aufzunehmen und mehrmals durch das Blutkreislaufsystem fließen zu lassen, um es schlussendlich zu dem Mann zurückzusenden, in einem schweigenden Austausch von Worten und Gedanken, die wir alle in diesem Raum teilten.

Die Stille also, erfüllte den ganzen Raum und dröhnte beinahe in meinen Ohren, sie kam mir fast unerträglich vor und ich wollte sie beenden, konnte mich aber nicht rühren, gebannt von diesem talentierten Künstler vor uns. Doch ließ dieser die Stille nicht lange weilen, so sehr er es zu genießen schien, wie wir alle uns ihr Ende wünschten. Seine Stimme bringt Herzen zum Schmelzen, doch sein Schweigen zerreißt Seelen. Und so vergönnte er uns unseren Wunsch und erlöste uns von der Pein, die die Stille, sein Schweigen über uns brachte, indem er ein weiteres Gedicht zu rezitieren begann: „Wer bist du?"

Und wie ich es so höre, dieses weitere Meisterstück des Silvius Baer, so kommt es mir vor, wie ein Mantra, welches er immerzu wiederholte, um mir diese eindringliche Frage zu stellen. Wer bist du? Und kurz darauf stellte ich mir diese Frage: Wer bin ich? Wer bin ich? Ich hatte einen Moment nicht aufgepasst, da war es mir, als habe er meine Gedanken gelesen, denn auch er fragte nun: Wer bin ich? Als habe er gewusst, dass diese Frage in meinem Kopf aufgetaucht war, als habe er geahnt, dass dies nur ein Spiegel der vorherigen Frage gewesen war. Und wie er sich nun fast wie in einer Trance nur für sich selbst fragte: Wer bin ich? Stellte ich mir als Spiegel dessen die Frage: Wer bist du? Und in der Tat wusste niemand von uns, wer er war. Wer war Silvius Baer? Ein Schöpfer? Ganz bestimmt. Ein Monster? Vielleicht. Ein Mensch?
Definitiv nicht. Er war viel mehr als das, eine Art übersinnliches Wesen oder zumindest gaben seine zauberhaften Worte den Eindruck, dass er dies wäre. Vielleicht war er auch nur ein einfacher Zauberer, ebenso wie ich, ebenso wie du, ebenso wie wir alle hier. Wer wusste das schon?
Jedoch bevor ich auch nur ansatzweise eine Antwort finden konnte, eine Lösung für die beiden Fragen, die in einem kreisrunden Wechselspiel getrieben vom Mantra des Autors in meinem Kopf herumschwebten, endete es und eine erneute Pause entstand. Doch diesmal war da keine Stille, es war viel schlimmer. Es war unendlich laut in meinem Kopf, Fragen über Fragen über das Sein und Nichtsein, welche mich beinahe wahnsinnig machen wollten. Doch ich hielt dem stand, zu erfahren was dieser wundervolle Mund noch zu sagen hatte. Die zweite Pause war nicht mehr so lang, wie die erste. Sie war schnell um und ich konnte weiterhin in dem Klang der Stimme verschwinden und mich darin verlieren, bis ich mich selbst ganz vergessen hatte. Das nächte rezitierte Werk nannte er kunstvoll: „Zeitdruck".

„Dein zweites Gesicht, welches ich
Klarer sehe, als dein erstes Gesicht,
Droht an, dass es sogleich zerbricht,
Unter dem Druck, den Zeit verspricht."

Dies war kein Gedicht des Klanges. Es war ein Gedicht der Worte. Ein Gedicht der Sprache. Bestehend aus nur einer Strophe war es kurz und einprägsam zugleich und sein unregelmäßiger Rhythmus sowie der angewandte Haufenreim machten es einfach verständlich, oder zumindest verstand ich die Worte, die Baer von sich gab, aber nicht ihren Sinn. Zumindest nicht sofort, doch ließ er nach dem Vortrag dieses Gedichts genug Zeit, um diesen zu erfassen, sofern das Gehirn dazu in der Lage war. Und ich versuchte es, ich wollte den Sinn sehen. Das zweite Gesicht erschien mir, wie eine Fassade, eine Maske über dem ersten Gesicht, weshalb das lyrische Ich dies klarer zu erkennen vermag, zumal es dem angesprochenen Du im Gedicht wohl direkt gegenüber sitzt und es ansieht. Es sieht die Fassade, welche das Du zwanghaft aufrechthalten will, um nicht sein wahres, erstes Gesicht zu offenbaren, doch die Zeit drängt es. Das lyrische Ich hat unendlich Zeit, es kann sehen solange es will, doch die Zeit des Du läuft ab. Es hat auf Dauer nicht genug Kraft, um diese Maske, diese Phase, dieses zweite Gesicht aufrecht zu halten. Was für ein grausames Gedicht, dessen zentraler Handlungspunkt Tod, Missbrauch und Grausamkeit des lyrischen Ich ist. Ich wollte meine Gedanken abwenden von diesem Werk und nicht mehr darüber nachdenken müssen. Doch diese Last, auch diese Aufgabe nahm mir der Künstler ab, indem er mit dem nächsten Gedicht begann: „Wortmusterbruch".

Was soll man dazu sagen? Baer drückt mit diesem Gedicht genau aus, was ist. Wörter sind nur Luft, welche zwischen unseren Lippen hervordringt. Mehr nicht. Doch seine Worte schienen mehr als das zu sein. Viel mehr, er widerlegte seine Aussage in dem Moment, in dem er sie tätigte. Das war doch verrückt...mehr konnte ich mir dazu nicht denken, verrückt aber genial. Ich konnte generell nicht mehr denken, nichts nächstes, nichts vorheriges, nichts Gerades und der ganze Raum zuckte zusammen, als er sein lautes „Backfisch" hören ließ. Mit einem Schlag gingen die Lichter scheinbar unerträglich hell an, niemand konnte mehr etwas sehen, alle hielten sich die Hände vor die Augen und es war allgemeine Unzufriedenheit zu hören. Und als wir die Augen wieder öffnete...war Silvius Baer...einfach so...verschwunden.

 

24.04.2001, humbertus geringloh

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.04.2018 16:23.

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Re: Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 24.04.2018 16:13

verschwörungstheorien

ist fünf noch frei?



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 Eine Frage, die wohl die Welt bewegen könnte, denn die Antwort ist so abwegig und offensichtlich zugleich. Ein faszinierender Sachverhalt also, den wir aufzuklären gedenken. Abwegig ist die Antwort insofern, dass die Frage auf den ersten Blick willkürlich und unsinnig erscheint, doch sobald man sie länger als nur ein paar Sekunden ansieht, wird alles klar und logisch überschaubar. Selbst für den ungeübten Betrachter sollte dann das Finden einer Antwort nicht mehr problematisch sein.

Beginnen wir zunächst mit der Frage, was denn die fünf bedeutet. Die Zahl fünf ist in der Numerologie der Muggel die Zahl der bedingungslosen Liebe welche sie auch verkörpert. Ihre Bedeutung ist extrem stark, so wie die Liebe selbst, sie bedeutet unter anderem Verantwortungsgefühl, Helfen, Heilen, Dienen, Sinn des Lebens, Religion, Wärme aber auf der Gegenseite auch Taktlosigkeit, Unbeweglichkeit und Intoleranz. Es ist also eine sehr vielseitige Zahl, die eine starke, emotionale Bedeutung trägt. Demnach ist sie also offensichtlich, wie es dem halbwegs gebildeten Leser inzwischen aufgefallen sein sollte, auch die spirituelle Zahl in den Eigenschaften der damals lebenden Madame Poulair, eine französische Hexe, welche für ihre Wechselhaftigkeit und ihre stürmische Art bekannt war. Sie leitete damals eine Näherei, in welcher sie mithilfe einiger Muggelangestellter Stoffe wob, die so weich und samten gewesen sein sollen, dass man sie nicht mehr auf der Haut gespürt haben soll, wenn man sie trug. Natürlich handelte es sich dabei um ein Geschäftsgeheimnis, doch nach ihrem Tod wurde dieses durch ihre nachfolgende Geschäftsleiterin aufgedeckt, da diese mit dessen Inhalt nichts anfangen konnte.

Bei ihrem Geheimnis handelte es sich um eine magische Pflanze, die sie regelmäßig gesammelt und deren Fasern zu Garn und Wolle verarbeitet hatte, um diese mit zu verweben. Die magische Wirkung dieser Pflanze ließ die Kleidung, welche in der Näherei entstand, so weich werden. Nachdem Madame Poulair also gestorben war, wurde dieses Geheimnis verdrängt und das Pergament, auf dem die Rezeptur geschrieben stand, vernichtet. Die neue Geschäftsleiterin war zwar eine gute Näherin, jedoch fehlte in Zukunft diese magische Wirkung des Stoffes, was dann dafür sorgte, dass die Näherei sehr schnell Pleite ging. Das Gebäude wurde abgerissen und an dessen Stelle wurde ein neues Geschäft eröffnet, ironischerweise eines für Malereibedarf in der Magierwelt mit besonders leuchtenden Farben und Pinseln, in die dieselbe Pflanze verarbeitet war, wie in den damaligen Stoff. Die Farben, die es dort zu kaufen gab, kosteten (wie zu erwarten war) nicht fünf, nein 5 Galleonen den Topf. Durch ihre besonders hochwertige Qualität erreichten sie diese Höchstpreise und so schließt sich der Kreis um die Klärung der Frage, deren Lösung nun offensichtlich ist.

Addiert man nämlich nun zu den fünf Galleonen nun den Preis eines in der damaligen Näherei hergestellten Pullovers, der bekannterweise bei 8 Galleonen liegt, kommt man auf 16 Galleonen, teilt man dies durch die zwei Nähnadeln, die Madame Poulair damals besessen und geliebt hat (der halbwegs gebildete Leser sollte wissen, dass sie stets zwei dieser Nadeln bei sich zu führen pflegte, mit denen sie am liebsten nähte und ihnen zwei Namen gab, San und Dim), erhält man 6 und das ist die Anzahl an Morsezeichen, die natürlich diese Antwort auf die Frage bilden. Kennt man nun das Morsealphabet auswendig, was ja bei einem halbwegs gebildeten Leser der Fall sein sollte, so erkennt man natürlich sofort, dass es sich hierbei nur um die Kombination zweier Buchstaben handeln kann: J – A.

Somit ist die Lösung dieser Frage der Woche eindeutig bewiesen und aufgeklärt und man erhält die einfache Antwort, die Antwort auf die Frage nach der Freiheit der fünf, oder vielmehr der Frage, ob die fünf noch frei ist, die Antwort ist: Ja!


24.04.2001, humbertus geringloh

 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.04.2018 16:23.

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Re: Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 04.04.2018 17:56

prosa & poesie

"die veränderung"

 Die nun folgende Kurzgeschichte entstand durch den Autor Frunk Kakfa, in welcher er sich mit dem Davies-Drake-Skandal kritisch auseinandersetzte und ihn analysierte, um ihn als eine wie surreal erscheinende Erzählung aufleuchten zu lassen. Sie lesen nun: „Die Veränderung"


Herr D. war ein guter Mann. Zumindest war er sich da sicher, denn er hatte einen guten Job, ein gutes Haus, ein gutes Verhältnis zu seiner Familie und den guten Wunsch nach einer guten Frau, mit der er ein gutes Leben verbringen könnte. Er war rundum ein guter Mann, oder vielleicht ein guter Mensch, je nachdem wie man das nennen mochte, er nannte es schlichtweg gut. Jedoch hatte Herr D. schon oft feststellen müssen, dass er wohl der einzige war, der das so sah. Oder er sah nur den einzigen, nämlich sich, der diese Ansicht vertrat und fand sich nicht in diesem Spiegel, den ihm das Spiegelwesen vorhielt. „Gegen dich", sagte das Spiegelwesen, „gegen dich."

Herr D. war ein schlechter Mann. Er hatte einen schlechten Job mit einer schlechten Bezahlung, schlechte Gedanken und schlechte Ansichten, er fand alles schlecht. Schlecht war sein Äußeres und sein Inneres und schlecht war er. Das wussten alle, nur er nicht. Er wusste nur, dass er das richtige tat, auch wenn die falsche Richtigkeit und die richtige Falschheit bei ihm nicht zwei Welten trennten sondern eins waren, vereint in seinem schlechten Geist, welchen er vom Spiegelwesen nicht gezeigt bekam. „Gegen ihn", sagte das Spiegelwesen, „gegen ihn."

Und doch, obwohl das Spiegelwesen Herrn D. bekannt vorkam, hatte er Angst davor, denn im Spiegel sah Herr D. Herrn D. Sie sahen sich an, das Spiegelwesen schwieg und sein Schweigen war laut in Herrn D.'s Ohren. „Wer bist du?", fragte er den Spiegel und das Spiegelwesen antwortete: „Ich bin dein Spiegel." „Und was machst du?", fragte Herr D. weiter und das Spiegelwesen lachte. „Ich bin dein Spiegel", sagte es wieder und Herr D. fürchtete sich, denn er war ein guter Mann und er brauchte keinen Spiegel.

Herr D. sah sich in dem Spiegel an, dann fragte Herr D. Herrn D.: „Wer bist du?" „Ich bin Herr D., wer bist du?" „Du lügst, ich bin es der unter dem Namen D. geboren wurde, dem Namen R.D." Der Spiegel lachte und Herr D. mit ihm. „Du liegst falsch, ich bin es, der den Namen R.D. trägt." Das Spiegelwesen bedeckte den Spiegel mit einem Umhang und Herr D. verlor die Stille aus dem Auge. Er verlor alles. Er war Herr D. Er war R.D. Da war er sich sicher. Und Herr D. war ein guter Mann. Herr D. war ein guter Mann...oder?


04.04.2001, frunk kakfa

 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 09.04.2018 19:33.

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Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 04.04.2018 17:46

                              T H E

Z E H N T E   A U S G A B E   ( A P R I L )

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