Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

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Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 04.04.2018 17:46

                              T H E

Z E H N T E   A U S G A B E   ( A P R I L )

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Re: Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 04.04.2018 17:56

prosa & poesie

"die veränderung"

 Die nun folgende Kurzgeschichte entstand durch den Autor Frunk Kakfa, in welcher er sich mit dem Davies-Drake-Skandal kritisch auseinandersetzte und ihn analysierte, um ihn als eine wie surreal erscheinende Erzählung aufleuchten zu lassen. Sie lesen nun: „Die Veränderung"


Herr D. war ein guter Mann. Zumindest war er sich da sicher, denn er hatte einen guten Job, ein gutes Haus, ein gutes Verhältnis zu seiner Familie und den guten Wunsch nach einer guten Frau, mit der er ein gutes Leben verbringen könnte. Er war rundum ein guter Mann, oder vielleicht ein guter Mensch, je nachdem wie man das nennen mochte, er nannte es schlichtweg gut. Jedoch hatte Herr D. schon oft feststellen müssen, dass er wohl der einzige war, der das so sah. Oder er sah nur den einzigen, nämlich sich, der diese Ansicht vertrat und fand sich nicht in diesem Spiegel, den ihm das Spiegelwesen vorhielt. „Gegen dich", sagte das Spiegelwesen, „gegen dich."

Herr D. war ein schlechter Mann. Er hatte einen schlechten Job mit einer schlechten Bezahlung, schlechte Gedanken und schlechte Ansichten, er fand alles schlecht. Schlecht war sein Äußeres und sein Inneres und schlecht war er. Das wussten alle, nur er nicht. Er wusste nur, dass er das richtige tat, auch wenn die falsche Richtigkeit und die richtige Falschheit bei ihm nicht zwei Welten trennten sondern eins waren, vereint in seinem schlechten Geist, welchen er vom Spiegelwesen nicht gezeigt bekam. „Gegen ihn", sagte das Spiegelwesen, „gegen ihn."

Und doch, obwohl das Spiegelwesen Herrn D. bekannt vorkam, hatte er Angst davor, denn im Spiegel sah Herr D. Herrn D. Sie sahen sich an, das Spiegelwesen schwieg und sein Schweigen war laut in Herrn D.'s Ohren. „Wer bist du?", fragte er den Spiegel und das Spiegelwesen antwortete: „Ich bin dein Spiegel." „Und was machst du?", fragte Herr D. weiter und das Spiegelwesen lachte. „Ich bin dein Spiegel", sagte es wieder und Herr D. fürchtete sich, denn er war ein guter Mann und er brauchte keinen Spiegel.

Herr D. sah sich in dem Spiegel an, dann fragte Herr D. Herrn D.: „Wer bist du?" „Ich bin Herr D., wer bist du?" „Du lügst, ich bin es der unter dem Namen D. geboren wurde, dem Namen R.D." Der Spiegel lachte und Herr D. mit ihm. „Du liegst falsch, ich bin es, der den Namen R.D. trägt." Das Spiegelwesen bedeckte den Spiegel mit einem Umhang und Herr D. verlor die Stille aus dem Auge. Er verlor alles. Er war Herr D. Er war R.D. Da war er sich sicher. Und Herr D. war ein guter Mann. Herr D. war ein guter Mann...oder?


04.04.2001, frunk kakfa

 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 09.04.2018 19:33.

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Re: Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 24.04.2018 16:13

verschwörungstheorien

ist fünf noch frei?



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 Eine Frage, die wohl die Welt bewegen könnte, denn die Antwort ist so abwegig und offensichtlich zugleich. Ein faszinierender Sachverhalt also, den wir aufzuklären gedenken. Abwegig ist die Antwort insofern, dass die Frage auf den ersten Blick willkürlich und unsinnig erscheint, doch sobald man sie länger als nur ein paar Sekunden ansieht, wird alles klar und logisch überschaubar. Selbst für den ungeübten Betrachter sollte dann das Finden einer Antwort nicht mehr problematisch sein.

Beginnen wir zunächst mit der Frage, was denn die fünf bedeutet. Die Zahl fünf ist in der Numerologie der Muggel die Zahl der bedingungslosen Liebe welche sie auch verkörpert. Ihre Bedeutung ist extrem stark, so wie die Liebe selbst, sie bedeutet unter anderem Verantwortungsgefühl, Helfen, Heilen, Dienen, Sinn des Lebens, Religion, Wärme aber auf der Gegenseite auch Taktlosigkeit, Unbeweglichkeit und Intoleranz. Es ist also eine sehr vielseitige Zahl, die eine starke, emotionale Bedeutung trägt. Demnach ist sie also offensichtlich, wie es dem halbwegs gebildeten Leser inzwischen aufgefallen sein sollte, auch die spirituelle Zahl in den Eigenschaften der damals lebenden Madame Poulair, eine französische Hexe, welche für ihre Wechselhaftigkeit und ihre stürmische Art bekannt war. Sie leitete damals eine Näherei, in welcher sie mithilfe einiger Muggelangestellter Stoffe wob, die so weich und samten gewesen sein sollen, dass man sie nicht mehr auf der Haut gespürt haben soll, wenn man sie trug. Natürlich handelte es sich dabei um ein Geschäftsgeheimnis, doch nach ihrem Tod wurde dieses durch ihre nachfolgende Geschäftsleiterin aufgedeckt, da diese mit dessen Inhalt nichts anfangen konnte.

Bei ihrem Geheimnis handelte es sich um eine magische Pflanze, die sie regelmäßig gesammelt und deren Fasern zu Garn und Wolle verarbeitet hatte, um diese mit zu verweben. Die magische Wirkung dieser Pflanze ließ die Kleidung, welche in der Näherei entstand, so weich werden. Nachdem Madame Poulair also gestorben war, wurde dieses Geheimnis verdrängt und das Pergament, auf dem die Rezeptur geschrieben stand, vernichtet. Die neue Geschäftsleiterin war zwar eine gute Näherin, jedoch fehlte in Zukunft diese magische Wirkung des Stoffes, was dann dafür sorgte, dass die Näherei sehr schnell Pleite ging. Das Gebäude wurde abgerissen und an dessen Stelle wurde ein neues Geschäft eröffnet, ironischerweise eines für Malereibedarf in der Magierwelt mit besonders leuchtenden Farben und Pinseln, in die dieselbe Pflanze verarbeitet war, wie in den damaligen Stoff. Die Farben, die es dort zu kaufen gab, kosteten (wie zu erwarten war) nicht fünf, nein 5 Galleonen den Topf. Durch ihre besonders hochwertige Qualität erreichten sie diese Höchstpreise und so schließt sich der Kreis um die Klärung der Frage, deren Lösung nun offensichtlich ist.

Addiert man nämlich nun zu den fünf Galleonen nun den Preis eines in der damaligen Näherei hergestellten Pullovers, der bekannterweise bei 8 Galleonen liegt, kommt man auf 16 Galleonen, teilt man dies durch die zwei Nähnadeln, die Madame Poulair damals besessen und geliebt hat (der halbwegs gebildete Leser sollte wissen, dass sie stets zwei dieser Nadeln bei sich zu führen pflegte, mit denen sie am liebsten nähte und ihnen zwei Namen gab, San und Dim), erhält man 6 und das ist die Anzahl an Morsezeichen, die natürlich diese Antwort auf die Frage bilden. Kennt man nun das Morsealphabet auswendig, was ja bei einem halbwegs gebildeten Leser der Fall sein sollte, so erkennt man natürlich sofort, dass es sich hierbei nur um die Kombination zweier Buchstaben handeln kann: J – A.

Somit ist die Lösung dieser Frage der Woche eindeutig bewiesen und aufgeklärt und man erhält die einfache Antwort, die Antwort auf die Frage nach der Freiheit der fünf, oder vielmehr der Frage, ob die fünf noch frei ist, die Antwort ist: Ja!


24.04.2001, humbertus geringloh

 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.04.2018 16:23.

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Re: Quibbler, Zehnte Ausgabe (April)

von Quibbler am 24.04.2018 16:22

prosa & poesie - analyse

silvius baer

DER GENIUS MIT DER SCHARFEN ZUNGE

Einst, vor wenigen Tagen, fand ich bei einer entspannten Runde mit meinen Kumpanen einige Momente Ruhe in einer düstreren, jedoch sehr lauschigen Kneipe. Wir saßen bei einem Butterbier beieinander und verbrachten einen angenehmen Abend, als wie aus dem Nichts und zur Überraschung aller anwesenden meiner Freundesgruppe ein mittelalter Herr sich plötzlich über die Häupter aller Anwesenden erhob. Zunächst war nicht erkennbar, wie der Mann auf diese Größe gestiegen war, doch bei genauerem Hinsehen erkannte man durch die Dunstschleier von Finsternis und dem leichten Alkoholeinfluss in den Augen, dass der Herr wohl zwei Barhocker aneinander geschoben und sich darauf gestellt hatte und somit die Menge überragte. Wie auf ein unausgesprochenes Kommando herrschte mit einem Mal Ruhe in der vorher rege belebten Kneipe und alle Blicke waren wie gebannt auf den Mann mitten im Raum gerichtet, dessen reglose Konturen sich nur gerade so vor dem dunklen Untergrund abhoben. Es war als würde die Zeit einen Moment stillstehen und ich glaubte, den Atem der Welt hören zu können, der wie ein unerkennbarer Hauch über unsere Köpfe wehte und mir eine Gänsehaut verschaffte. Allein die Aura dieses noch rätselhaften Mannes hatte eine solch kraftvolle Wirkung, dass scheinbar jeder Anwesende, ausnahmslos, hören wollte, was er zu sagen hatte. Als der Mann sich wieder zu regen begann, indem er einen tiefen Luftzug nahm, war es als würde der ganze Raum aufatmen, doch löste sich die Spannung keineswegs, im Gegenteil, sie intensivierte sich nur umso deutlicher.

Auch ich merkte, dass ich den Atem einige Sekunden hatte innehalten lassen, als der erhobene Herr mit einer kräftigen und brummenden, aber beinahe hauchenden Stimme zu sprechen begann, wie vom heiligen Geist besessen und den Blick unbestimmt in die Ferne gerichtet: „Silvius Baer", sagte er nun und ließ diese Worte nur im Raum stehen und sofort fragte ich mich, obwohl die Antwort in der Spannung der Luft zu liegen schien, wer oder was dieser Silvius Baer war. Woher kam er oder es und wohin ging er oder es, was brachte er oder es und was nahm er oder es von uns mit in sein scheinbar unendliches Land der Sicherheit und Inspiration? All diese Fragen kreisten in meinem Kopf umher, als der Herr lediglich diesen Namen verlauten ließ und mit einer ekstatisch gehobenen Hand als Geste der Ruhe anmutig inmitten der gebannten Zuschauer innehielt. Als er nun erneut zum Sprechen ansetzte, glaubte ich, schon vorher zu wissen, was er sagen würde und gleichzeitig wie ein unwissendes Kind, das eine Lehrstunde erhalten wollte, zu ihm aufzusehen. „Ich", sagte er lediglich und mit weit geöffneten Augen hatte er seinen Blick in eine Ferne gerichtet, die nur er sehen konnte und es war mit Sicherheit eine wunderschöne Ferne, in der er in ein paradiesisches Land blicken konnte, welches nur für ihn den großen Schöpfer der Sprache geschaffen war, „bin Silvius Baer. Autor, Poet...und ich präsentiere: Gedankensplitter eines Menschen", die Tatsache, dass er das Wort „Mensch" benutzte und dabei weder in „Zauberer" noch in „Muggel" oder irgendetwas weiteres klassifizierte zeigte bereits die unglaubliche Fähigkeit des weitläufigen und mehrdimensionalen Blickes, den er bewies. Erneut herrschte gespannte Stille, als Baer wieder zum Sprechen ansetzte.

Das erste Gedicht, das er vortrug, trägt den liebevollen Titel „Klangkunst", welcher bereits maßgebende Aussagen über das Werk tätigt, die Erfahrung selbst jedoch war ebenfalls unbeschreiblich schön und faszinierend. In meinen Ohren hallte die volle Stimme des begabten Autors wieder und sorgte dafür, dass ich im Klang des Gedichtes in eine Trance fiel, die mich die Augen schließen ließ und mich auf eine Reise schickte, eine Reise ins Jenseits der Literatur, ein Land welches fernab meiner Vorstellungskraft existiert und in dem ich wusste, ich hätte glücklich sein können, wäre ich nicht hier in dieser Welt gefangen. Es war eine Mischung aus Ekstase und Melancholie, die ich bei der Imagination dieses Landes in meiner Brust spürte und die sich ebendort zu einem wilden Knäuel verfingen, nicht in der Lage sich jemals aus ihrer Situation zu freien, ebenso wenig wie ich mich aus der Welt freien konnte, in der ich offensichtlich nun mal gefangen war. Es war ein Dilemma, ein Dilemma aus dem ich nur hätte entkommen können, hörte der Künstler mit dem Sprechen auf, doch er tat es nicht. Ich flehte beinahe, ich weinte und lachte doch all dies nur in meinen Gedanken und dann...schwieg er. Und sofort wünschte ich mir seine Stimme zurück, vermisste den Klang seiner Worte in meinen Ohren. Und ja, man hört die Stille und zwar immer genau dann, wenn man sie nicht hören will, genau dann ist sie unerträglich laut und findet ihren Weg durch die Ohren in das tiefste Innere des menschlichen Herzens, berührt es und nimmt sich die dunkelsten Gefühle und die verborgensten Ängste hervor, um sie im Kopf umherzuwirbeln. Und all dies nur ausgelöst durch die Worte die leise aber mehr als deutlich aus dem schmalen Mund des begabten Poeten drangen. Die ganze Gemeinde in der Kneipe hing nun gebannt an den Lippen des Autors, begierig, jedes einzelne Wort daraus aufzunehmen und mehrmals durch das Blutkreislaufsystem fließen zu lassen, um es schlussendlich zu dem Mann zurückzusenden, in einem schweigenden Austausch von Worten und Gedanken, die wir alle in diesem Raum teilten.

Die Stille also, erfüllte den ganzen Raum und dröhnte beinahe in meinen Ohren, sie kam mir fast unerträglich vor und ich wollte sie beenden, konnte mich aber nicht rühren, gebannt von diesem talentierten Künstler vor uns. Doch ließ dieser die Stille nicht lange weilen, so sehr er es zu genießen schien, wie wir alle uns ihr Ende wünschten. Seine Stimme bringt Herzen zum Schmelzen, doch sein Schweigen zerreißt Seelen. Und so vergönnte er uns unseren Wunsch und erlöste uns von der Pein, die die Stille, sein Schweigen über uns brachte, indem er ein weiteres Gedicht zu rezitieren begann: „Wer bist du?"

Und wie ich es so höre, dieses weitere Meisterstück des Silvius Baer, so kommt es mir vor, wie ein Mantra, welches er immerzu wiederholte, um mir diese eindringliche Frage zu stellen. Wer bist du? Und kurz darauf stellte ich mir diese Frage: Wer bin ich? Wer bin ich? Ich hatte einen Moment nicht aufgepasst, da war es mir, als habe er meine Gedanken gelesen, denn auch er fragte nun: Wer bin ich? Als habe er gewusst, dass diese Frage in meinem Kopf aufgetaucht war, als habe er geahnt, dass dies nur ein Spiegel der vorherigen Frage gewesen war. Und wie er sich nun fast wie in einer Trance nur für sich selbst fragte: Wer bin ich? Stellte ich mir als Spiegel dessen die Frage: Wer bist du? Und in der Tat wusste niemand von uns, wer er war. Wer war Silvius Baer? Ein Schöpfer? Ganz bestimmt. Ein Monster? Vielleicht. Ein Mensch?
Definitiv nicht. Er war viel mehr als das, eine Art übersinnliches Wesen oder zumindest gaben seine zauberhaften Worte den Eindruck, dass er dies wäre. Vielleicht war er auch nur ein einfacher Zauberer, ebenso wie ich, ebenso wie du, ebenso wie wir alle hier. Wer wusste das schon?
Jedoch bevor ich auch nur ansatzweise eine Antwort finden konnte, eine Lösung für die beiden Fragen, die in einem kreisrunden Wechselspiel getrieben vom Mantra des Autors in meinem Kopf herumschwebten, endete es und eine erneute Pause entstand. Doch diesmal war da keine Stille, es war viel schlimmer. Es war unendlich laut in meinem Kopf, Fragen über Fragen über das Sein und Nichtsein, welche mich beinahe wahnsinnig machen wollten. Doch ich hielt dem stand, zu erfahren was dieser wundervolle Mund noch zu sagen hatte. Die zweite Pause war nicht mehr so lang, wie die erste. Sie war schnell um und ich konnte weiterhin in dem Klang der Stimme verschwinden und mich darin verlieren, bis ich mich selbst ganz vergessen hatte. Das nächte rezitierte Werk nannte er kunstvoll: „Zeitdruck".

„Dein zweites Gesicht, welches ich
Klarer sehe, als dein erstes Gesicht,
Droht an, dass es sogleich zerbricht,
Unter dem Druck, den Zeit verspricht."

Dies war kein Gedicht des Klanges. Es war ein Gedicht der Worte. Ein Gedicht der Sprache. Bestehend aus nur einer Strophe war es kurz und einprägsam zugleich und sein unregelmäßiger Rhythmus sowie der angewandte Haufenreim machten es einfach verständlich, oder zumindest verstand ich die Worte, die Baer von sich gab, aber nicht ihren Sinn. Zumindest nicht sofort, doch ließ er nach dem Vortrag dieses Gedichts genug Zeit, um diesen zu erfassen, sofern das Gehirn dazu in der Lage war. Und ich versuchte es, ich wollte den Sinn sehen. Das zweite Gesicht erschien mir, wie eine Fassade, eine Maske über dem ersten Gesicht, weshalb das lyrische Ich dies klarer zu erkennen vermag, zumal es dem angesprochenen Du im Gedicht wohl direkt gegenüber sitzt und es ansieht. Es sieht die Fassade, welche das Du zwanghaft aufrechthalten will, um nicht sein wahres, erstes Gesicht zu offenbaren, doch die Zeit drängt es. Das lyrische Ich hat unendlich Zeit, es kann sehen solange es will, doch die Zeit des Du läuft ab. Es hat auf Dauer nicht genug Kraft, um diese Maske, diese Phase, dieses zweite Gesicht aufrecht zu halten. Was für ein grausames Gedicht, dessen zentraler Handlungspunkt Tod, Missbrauch und Grausamkeit des lyrischen Ich ist. Ich wollte meine Gedanken abwenden von diesem Werk und nicht mehr darüber nachdenken müssen. Doch diese Last, auch diese Aufgabe nahm mir der Künstler ab, indem er mit dem nächsten Gedicht begann: „Wortmusterbruch".

Was soll man dazu sagen? Baer drückt mit diesem Gedicht genau aus, was ist. Wörter sind nur Luft, welche zwischen unseren Lippen hervordringt. Mehr nicht. Doch seine Worte schienen mehr als das zu sein. Viel mehr, er widerlegte seine Aussage in dem Moment, in dem er sie tätigte. Das war doch verrückt...mehr konnte ich mir dazu nicht denken, verrückt aber genial. Ich konnte generell nicht mehr denken, nichts nächstes, nichts vorheriges, nichts Gerades und der ganze Raum zuckte zusammen, als er sein lautes „Backfisch" hören ließ. Mit einem Schlag gingen die Lichter scheinbar unerträglich hell an, niemand konnte mehr etwas sehen, alle hielten sich die Hände vor die Augen und es war allgemeine Unzufriedenheit zu hören. Und als wir die Augen wieder öffnete...war Silvius Baer...einfach so...verschwunden.

 

24.04.2001, humbertus geringloh

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.04.2018 16:23.

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