Buffetzelt

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Caoimhe

30, Weiblich

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Beiträge: 148

Re: Buffetzelt

von Caoimhe am 22.08.2018 18:04

Ich folgte den Bewegungen des Reporters so genau, als wäre zu erwarten, dass er in jedem Moment seinen Zauberstab hervorziehen und einen Fluch auf Dinah und mich schiessen würde. Selbstverständlich war mir klar, dass er das nicht tun würde – jedenfalls nicht direkt. Würde er einen Enthüllungsartikel über... Über mich und die neue, bedrohliche Seite von mir schreiben, würde trotzdem ein Fluch auf mir lasten, ein Fluch, der sich nicht nur für meinen Beruf, meine Karriere und meinen Ruf verheerende Wirkungen hätte. Natürlich war mir klar, dass dies nicht nur seine Schuld wäre, erst müsste ich mich verplappern, damit er überhaupt etwas zum Schreiben hätte. Also durfte ich nichts Falsches sagen. Mein Leben war zurzeit grossartig, ich war glücklich über unseren zweiten Platz und den SWA-Preis. An diese Geschichte musste ich fest glauben, wenn ich wirklich nicht etwas verraten wollte, was nicht verraten werden sollte.
Meine Hand zuckte augenblicklich zurück, als ich realisierte, weswegen er wahrscheinlich gestockt hatte – ich biss mir auf die Lippe und hoffte, dass ihm nicht aufgefallen war, wie schnell ich mich von Dinah gelöst hatte. Mir war klar, dass es nichts Neues war, wenn Dinah und ich uns so nahe zeigten, doch gerade heute war mir nicht nach Verschwörungstheorien. Jeglicher Art. Und ich war mir ziemlich sicher, dass niemand mir das böse nehmen würde – zumindest niemand von den Menschen, die über mein klitzekleines Geheimnis informiert waren.
„Ich meine, wenn das tatsächlich so wäre, wäre unsere Freundschaft nach unserem Sieg gegen die Arrows zu Ende gewesen. Oder schon zuvor, als ihr Team auf der Gewinnerseite stand." Ich schmunzelte. „Klar sind wir auf dem Spielfeld Konkurrentinnen, und da macht es auch keinen Unterschied, dass wir uns privat kennen. Doch ausserhalb davon beeinträchtigen unsere Berufe nicht unsere Freundschaft."
Klar stritten wir uns, sogar ziemlich oft. Wir waren beste Freundinnen, keine Frage, ich liebte sie mehr als jeden anderen Menschen dieser Welt. Es war eine Sache unserer beiden Charaktere, dass wir leider ziemlich schlecht darin waren, unsere Meinungsdifferenzen ruhig und sachlich zu klären. Ausserdem lebten wir zusammen und sahen uns jeden Tag, ich war der Meinung, dass das kein Mensch aushielt, ohne sich jemals über irgendwas zu zanken. Jedoch vertrugen wir uns immer ziemlich schnell wieder miteinander, was auch gut so war. Ich mochte das Gefühl, dass etwas zwischen uns beiden stand, ganz und gar nicht. Wahrscheinlich hatte ich in meinem Leben einfach schon genug Familienmitglieder verloren, weil ich mich nicht mit ihnen auf etwas einigen konnte – wenn das auch bei Dinah passieren würde, würde ich wahrscheinlich daran zerbrechen.
Für einen kurzen Moment schaffte ich es, meinen Blick von dem Reporter abzuwenden, um für einmal Dinah und nicht ihn anzulächeln – einerseits, weil ich tatsächlich irgendwo stolz darauf war, dass wir uns noch nie wirklich wegen unseren Jobs zerstritten hatten, aber vor allem, um zu bestätigen, dass ich meine Aussage auch ernst meinte. Könnte ich Dinah dabei nicht in die Augen sehen, wäre sie wohl deutlich unglaubwürdiger, als es mir lieb war.

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Antworten Zuletzt bearbeitet am 22.08.2018 18:06.

Aurelie
Gelöschter Benutzer

Re: Buffetzelt

von Aurelie am 03.09.2018 01:20

"Kein bisschen", pflichtete ich ihr bei. "Definitiv. Und die hier kann sich sehen lassen", ergänzte ich dann, ehe ich noch einen der mundgerecht zubereiteten Snacks von einer Platte vor mir auf dem Buffettisch schnappte und ihn mir genüsslich einverleibte. Mit halbvollem Mund schob ich hinterher: "Auch, wenn mein papa das sicher noch besser hinbekommen hätte." Erst dann schluckte ich den Snack hinunter. Ich wusste, dass Vicky wusste, dass mein Vater ein Koch war - nicht nur irgendeiner, ein exzellenter und mehrfach ausgezeichneter - und dass ich meine Leidenschaften für's Essen und auch für's Kochen von ihm geerbt hatte. Aber es schadete bestimmt nicht, es immer wieder zu erwähnen. Ich war einfach sehr stolz darauf, wer konnte mir das übel nehmen? Nun, vermutlich tat das so mancher, aber das kümmerte mich ja nicht. Auch nicht, dass man denken konnte, dass ich keine Manieren besaß, weil ich hier am Reden war, während ich noch Essen im Mund hatte. Ich sprach schließlich gerade mit Vicky, dem Menschen, der mich besser kannte als alle anderen und schon sämtliche Seiten von mir gesehen hatte, und außerdem war mir so etwas generell nicht so wichtig. Natürlich war ich theoretisch gesehen in der Lage, mich gut zu benehmen und hielt mich an die Regeln, wenn es denn unbedingt sein musste, aber... das machte halt keinen Spaß. Es war ja nun auch nicht so, dass ich meinen Mund sperrangelweit offen hielt, sodass alle Welt den zerkauten Nahrungsbrei in meinem Mund sehen und analysieren konnte. Ich hatte noch nie verstanden, warum so Leute wie zum Beispiel mein Mannschaftskapitän Lucian sich über Dinge dieser Art mokierten. Das war doch nun wirklich nebensächlich.
Ein kurzer Blick auf Vickys Teller genügte, um mir ein zufriedenes und auch leicht amüsiertes Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ich fand es furchtbar niedlich, einen Menschen gefunden zu haben, der meine Leidenschaft für's Essen teilte. Sorgen darum, dass einer von uns stark zunehmen und eines Tages an Übergewicht leiden und deshalb vielleicht sogar krank werden würde, machte ich mir keine. Wir waren beide Profi-Sportlerinnen und machten täglich ja wohl mehr als genug Sport, um diese "übermäßige" Kalorienzufuhr zu rechtfertigen. Ganz davon abgesehen nahm ich sowieso nicht zu. Ich futterte schon seit meiner Kindheit... Wie hieß das noch gleich? Wie ein Schuppendrescher? Scheunendrescher? Was auch immer. Jedenfalls aß ich den ganzen Tag und wenn ich schlafwandeln würde, würde ich damit bestimmt auch nachts nicht aufhören. Dick gewesen war ich aber nie. Ich wusste nicht, ob es daran lag, dass ich einfach einen gigantisch guten Stoffwechsel hatte oder daran, dass ich schon als Kind den ganzen Tag umhergestreunt war, als ob ich Hummeln im Hintern hätte. Obwohl die Tätigkeit als Quidditchspielerin mir bestimmt nicht schadete. Meinen Teller hatte ich jedenfalls schnell und ohne schlechtes Gewissen gefüllt und so gesellte ich mich zu Vicky an das Ende der langen Buffettafel, wo jene seit etwa einer halben Minute auf mich wartete. "Naturellement, gute Idee", stimmte ich ihrem Vorschlag zu und ging gleich einmal voran in Richtung der Tische und Bänke, die auf der Wiese aufgebaut worden waren. Tatsächlich hätte ich auch nichts dagegen gehabt, an den Stehtischen zu essen oder egal wo, Hauptsache, ich musste meinen Teller nicht die ganze Zeit selbst halten, aber ich hatte auch kein Problem damit, mich hinzusetzen. Schon gar nicht, wenn es Vicky gerne so wollte. Bei den Bänken angekommen ließen wir uns nieder, aßen und unterhielten uns angeregt miteinander, manchmal auch mit den anderen Gästen, die sich am gleichen Tisch hingesetzt hatten oder Freunden, die kurz zu uns dazustießen. Später am Abend und nach einem erneuten Abstecher ins Buffetzelt, weil unsere Teller doch irgendwann leer geworden waren und uns Lust auf mehr gemacht hatten, feierten wir uns im Tanzzelt die Seele aus dem Leib und stießen gemeinsam mit einigen Kollegen auf das Ende der Saison an.

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