Daily Prophet: Ausgabe 8, Februar

[ Nach unten  |  Zum letzten Beitrag  |  Thema abonnieren  |  Neueste Beiträge zuerst ]


DailyProphet

-, Männlich

  Anfänger

Beiträge: 80

Daily Prophet: Ausgabe 8, Februar

von DailyProphet am 14.02.2018 21:18

THE DAILY PROPHET
Ausgabe 8                                     FEBRUAR

 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 05.03.2018 22:54.

DailyProphet

-, Männlich

  Anfänger

Beiträge: 80

Re: Daily Prophet: Ausgabe 8, Februar

von DailyProphet am 14.02.2018 22:00

KOMMENTARE & ESSAYS
VON SCHÖNHEIT UND SCHMERZ
Dražan Kasun, Maler und Bildhauer, und seine überwältigenden Skulpturen

„Die Welt wird sich vor meiner Kunst verneigen, sobald diese als die reine Perfektion erkannt und in die Herzen der Bevölkerung aufgenommen wird. Sie wird sich verneigen vor der bedingungslosen Schönheit und der liebevollen Vollkommenheit die meine Werke, meine Figuren ausstrahlen. Es wird das Feuer für eine neue Ära der Kunstgeschichte in den Herzen der Menschheit entflammen."
Dies sagte vor wenigen Tagen der serbische Künstler Dražan Kasun (besser bekannt als „Kardhayin"), ein Virtuose seines Fachs welcher dies bereits in diversen Bereichen eindeutig bewiesen hat. So auch mithilfe des Werkes „седам" - übersetzt in unsere Sprache bedeutet dies das simple Wort „sieben" – welches eine beeindruckende Holzskulptur eines menschlichen Körpers zeigt. Allein der Titel beweist seinen unglaublichen Genius und macht Lust auf mehr, und mehr wird dem Leser im folgenden Artikel geboten:
Die Skulptur entstand im Jahr 1997 und galt als eines der ersten öffentlichen Werke des Künstlers. Zuvor hatte er die meisten anderen lediglich in seinem Atelier ausgestellt, da ihnen ein „letzter Schritt zur Brillanz" fehlte, so der Künstler in einem Interview. Dieser letzte Schritt sollte dann schließlich durch diese Skulptur getan worden sein, wie er im weiteren Verlauf des Gesprächs erläuterte, und so entstand seine erste Kollektion bestehend aus 7 Werken, alle simpel benannt mit den serbischen Nummern, so wie auch das hier präsentierte, das siebte Werk dieser Reihe. Kardhayin bezeichnete diese erste Kollektion als „Grundstein für die neue Schöpfungsgeschichte" und erklärte weiter, dass seine damalige Intention darin bestand, „mithilfe weiterer Skulpturen [...] die Herzen der Menschen [zu] ergreifen [...] und ihre Seele auf eine wilde Reise durch die angespannte Ekstase und perfekte Schönheit [zu] entführen[...]". Auf die Frage, ob er es denn inzwischen geschafft habe, antwortete er nur mit einem geheimnisvollen Lächeln. Dieser Mann ist also, ebenso wie seine Kunst ein einziges Mysterium, welches mithilfe dieser Analyse ein wenig aufgeklärt werden soll, sofern dies möglich ist.

Die Skulptur Nummer Sieben, wie sie in der Umgangssprache bezeichnet wird, ist ein Non-Finito der feinsten Sorte. Es handelt sich dabei um einen aus dunklem, fast schwarzen Holz gestalteten Torso mit Armen und Kopf, sowie Fragmenten von Knien, welcher in so angeordnet ausgestellt wird, dass er aussieht, als würde die Wand ihn verschlingen. Nicht nur die meisterhafte Bearbeitung des Materials sondern auch das Motiv und die Detailgenauigkeit der Plastik lassen ebendiese so lebensecht und ausdrucksstark wirken, wie es nur selten zuvor beobachtet wurde, zumal sich der Künstler bei der Bearbeitung ausschließlich handwerklicher Muggelmethoden bedient und nicht auf seinen Zauberstab zurückgreift, dabei jedoch trotzdem bessere Werke als viele der Künstler, die Gebrauch von ihrer Magie machen, zu erschaffen in der Lage ist. Zwar durfte der Arbeitsphase des Künstlers zur Überprüfung dieser Aussage nicht beigewohnt werden, da er auf absolute Einsamkeit während seiner Arbeit bestand, doch sind die erschaffenen Werke, selbst wenn er tatsächlich doch seine Fähigkeiten benutzen sollte, auch dann immer noch auf eine so einzigartige und penible Art und Weise bearbeitet, dass ihre Ausstrahlung noch immer eine unglaublich besondere Wirkung hat. Teile des Holzes sind so bearbeitet, dass es tatsächlich eine verkohlte Version der menschlichen Haut sein könnte und der Ausdruck des Schmerzes der dargestellten Figur ist derart realistisch in der Mimik und Haltung gestaltet, dass man glauben könnte, es handele sich um einen echten Menschen. Die kunstvolle Bearbeitung spielt scheinbar schwerelos mit Licht und Schatten und durch die dunkle farbe des Holzes wirkt der Corpus tot und zugleich so belebt durch die wilde innere und äußere Bewegung, die der Künstler durch starke Gestik und verzerrte Mimik darstellt. Doch wofür steht dieser nahezu perfekte Torso der wilden Emotionen? Kunstkritiker vermuten, dass es womöglich mit dem Ableben und der Scheidung zwischen Leben und Tod zu tun haben könnte. Der Körper des dargestellten Mannes wird durch die Wand auf die andere Seite gezogen und die andere Seite ist der Limbus, oder vielmehr die Zwischenwelt zum Tod, wenn nicht gar der Tod selbst. Es sei also wahrlich eine Anspielung auf die zauberhafte Erzählung „Limbus" von einer unbekannten Muggelautorin, in welchem es darum geht, dass sich drei normale Schüler in ebendieser Zwischenwelt verlieren und einige Prüfungen durchleben müssen, um auf einem Deal mit dem Boten des Todes beruhend zurück ins Leben gelassen zu werden. Der Körper, welcher nun so aussieht, als würde er in der Wand verschwinden, wirkt so, als würde er ebendiesen Kampf, diese Prüfungen durchleben müssen und alles dafür geben, obwohl er dem Tod bereits erlegen ist, was dem halbwegs geübten Betrachter ebenfalls aufgefallen sein sollte.
So auch die Tatsache, dass es das siebte Werk in der Reihe des Künstlers Kadhayin ist, denn wie jeder halbwegs gebildete Leser natürlich sofort erkennt, ist dies eine Anspielung auf die sieben Prüfungen des Todes, welche in ebendiesem Roman bestritten werden müssen. Das Werk ist also eine einzige Verkörperung dieser Handlung, dieses Überganges zwischen Leben und Tod und dieses Kampfes gegen den unnahbaren Tod, der näher kommt und im Endeffekt unausweichlich ist, da der menschliche Körper vergänglich ist. Ein wahres Meisterwerk der plastischen Kunst.
Als wir den Künstler nach seiner Inspirationsquelle zu diesem Werk fragten, begann er von einem obdachlosen Mann zu berichten, den er einst in seinem Heimatland bei einem Spaziergang im Schnee liegend gesehen hatte und der ihn auf eine besondere Weise fasziniert hatte. Diese Inspiration habe er mit sich nach London genommen, um sie sogleich in die ausdrucksstarken Skulpturen zu verwandeln, die die Londoner Einwohner demnächst auf seiner ersten öffentlichen Ausstellung werden bewundern dürfen. Also freuen sie sich auf die kommende Ausstellung des serbischen Meisters Dražan Kasun und machen sie sich gefasst auf die Brillanz, die er mit seinen Werken zum Ausdruck bringt.
„Manchmal arbeite ich tagelang durch, das kann sehr schmerzhaft werden. Aber die Schönheit der Kunst ist den Schmerz wert. Und ich bin die Kunst."

14.02.2001, DAMIEN JUNO

Antworten

« zurück zum Forum